Von Bologna in die Welt
Wenn eine große Liebe zu Ende geht, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Als Michele Mariotti 2007 zum ersten Mal auf das Podium im Teatro Comunale zu Bologna kletterte, um eine Probe zu Rossinis «L’italiana in Algeri» zu leiten, habe er «nicht bei Null», sondern bei «zehn unter Null» angefangen, witzelt er im Rückblick. Trotz eines Diploms in Komposition und eines verheißungsvollen Dirigierdebüts mit «Il barbiere di Siviglia» in Salerno (2005) standen dem hochbegabten Mittzwanziger keineswegs alle Türen offen.
Was paradoxerweise auch an seiner prominenten Abkunft lag: Mariottis Vater Gianfranco, der 38 Jahre lang Intendant des Rossini Opera Festivals in Pesaro war, gehört zu den einflussreichen Persönlichkeiten des italienischen Musiklebens. Doch nicht durch Vitamin B, sondern durch Leistung sollte der Filius sein Glück versuchen. Zudem schienen das jungenhafte Aussehen, das scheue Auftreten und die Neigung, rasch zu erröten, nicht gerade Eigenschaften zu sein, die ihn zur Bändigung jener vielköpfigen Hydra befähigen würden, die in jedem Graben lauert.
Doch schon bald nach seinem Einstand fasste Michele Mariotti in Bologna Fuß. Im November 2007 machte er zur Eröffnung der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Carlo Vitali
alpha
03.03. – 20.15 Uhr
Wagner: Lohengrin
Bayreuther Festspiele, 2018 Mit Spannung wurde im vergangenen Sommer die Neuinszenierung von Richard Wagners «Lohengrin» erwartet. Regie führte Yuval Sharon, Neo Rauch und Rosa Loy zeichneten für Bühnen- und Kostümbild verantwortlich. Anja Harteros feierte ihr Festspiel-Debüt als Elsa. Zum hochkarätigen Ensemble gehörten...
Solche Abende gibt es. Sie heben hoch an, schütten aus extremer (Fall-)Höhe eine Unmenge an Bildern, Assoziationen und Allusionen auf die Bühne herab, sind für sich genommen virtuos in ihrer Diskursvernarrtheit – aber das eigentliche Stück, seine Psychologie, mehr noch: die musikalische Semantik vergessen sie darüber fast vollständig. Ein solcher Abend ist die...
Rimini Protokoll inszeniert eine Oper? Die Kombination erscheint auf den ersten Blick kaum denkbar. Denn das mit Preisen überhäufte, in seinem Bereich stilprägende Performance-Kollektiv steht für besondere Formen des Dokumentartheaters. Rimini Protokoll bringt «Experten des Alltags» auf die Bühne, die ihre Geschichten erzählen, entwirft Audiowalks und Parcours, in...
