Räuberpistole
Anfang der 1890er-Jahre, als Mascagnis Überraschungs-Hit «Cavalleria rusticana» eine Verismo-Welle auslöste, auf der bald viele junge Tonsetzer erfolgreich mitschwammen, mag sich Jules Massenet in Paris gedacht haben: Na wartet, Bürschchen, euch zeige ich, wer der Meister aller Klassen ist! Und er hatte auch schon eine Interpretin zur Hand, die seinen Beitrag zur neuesten Musiktheatermode überzeugend verkörpern würde: Emma Calvé.
Auf ein 45-minütiges Räuberpistolenlibretto mit spanischem Sujet schrieb er eine Musik, die in ihrer lodernden südlichen Leidenschaft wie auch in der Robustheit ihrer Instrumentation auf den ersten Blick so gar nicht zu den zartgliedrigen Werken passen wollte, die Massenet zuvor in den Salons berühmt gemacht hatten.
Gerade darum schlug die Uraufführung 1894 in London ein wie eine Bombe, Queen Victoria wünschte sich für Windsor umgehend eine Privataufführung der tragischen Geschichte vom Soldaten Araquil, der die mittellose Anita aus Navarra liebt. Sein wohlhabender Vater will der Heirat nur zustimmen, wenn das nicht standesgemäße Mädchen eine Mitgift vorweisen kann. Daraufhin schleicht sich die verzweifelte Anita ins feindliche Lager, verführt und tötet ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Frederik Hanssen
Alban Berg würde sich wundern. Und vielleicht sogar zustimmen. Denn was Detlef Heusinger aus dem fragmentarisch überlieferten Material des dritten «Lulu»-Aktes gemacht hat, ist – wie die jetzt am Bremer Theater erfolgte Uraufführung dieser Fassung zeigte – eine höchst beachtenswerte, ebenso fantasievolle wie punktgenau durchdachte Alternative zu Friedrich Cerhas...
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau...
Zwei Nachteile hat die aktuelle Therapie. Die Spritze piekst, und das Gesicht friert (im besten Fall zum Dauerlächeln) ein. Mal abgesehen von der Schuldlast, hatte also die Methode von Elisabeth Báthory, das verjüngende Bad im warmen Blut, der Botox-Injektion einiges voraus. Hunderte Mädchen ließ die ungarische Gräfin dafür bis zum Tode auspeitschen, stechen und...
