Science Fiction, satirisch
Auch wenn Jacques Offenbach nach 1871 in Paris nicht mehr die zentrale Rolle spielte wie im Zweiten Kaiserreich, so schrieb er bis zu seinem Tod (1880) immerhin noch vierzig Bühnenwerke, von denen einige sehr erfolgreich waren. Freilich hatte er sich dem veränderten Zeitgeschmack anzupassen. Jetzt waren Feerien gefragt, Ausstattung und moderne Bühnentechnik spielten auf dem Gebiet des unterhaltenden Musiktheaters eine immer größere Rolle.
Zu den Modeschriftstellern dieser Zeit gehörte Jules Verne mit seinen utopischen, zugleich wissenschaftlichen und wissenschaftskritischen Romanen, die noch heute viel gelesen werden. Mit einer Bühnenadaption der «Reise zum Mond» war Offenbach 1875 ein Coup gelungen.
Nahe liegend also, sich ein zweites Mal an diesen Autor anzulehnen. «Le Docteur Ox», im Januar 1877 uraufgeführt, geht auf eine Novelle Vernes zurück und spielt in einem imaginären flandrischen Städtchen namens Quinquendonne, wo alles seinen mehr als gemächlichen Gang geht. Bis der dänische Wissenschaftler Dr. Ox mit seinem Assistenten Ygène auftaucht und an der staunenden Bevölkerung die Wirkung eines Gases ausprobiert, das in der Lage ist, die Lebenskraft zu verdoppeln. Sobald es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Offenbar geht es Hans Werner Henze, der den langen Weg vom Außenseiter und Abweichler zum Altmeister ausgeschritten ist, um die einzige Provokation, die heute noch bleibt: die der Schönheit. Mit seinem jüngsten Bühnenwerk – «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe» – hat der längst in die Aura esoterischen Ruhms gehüllte Kunstfürst seine «Zauberflöte» geschaffen....
«Heute Abend wünschte ich, dass Sie die Aufführung der ‹Theatralischen Abenteuer› sehen könnten; sie wird gewiss vorzüglich werden», schrieb Goethe am 5. Juni 1799 an Schiller. Vorzüglich – bis auf Defizite beim Sängerensemble – geriet auch die Neuproduktion jenes Singspiels beim Pergolesi Spontini Festival. Der Dichterfürst hat es gemeinsam mit seinem Schwager...
Die Akzeptanz des Unwahrscheinlichen, des Märchenhaften war stets ein bezeichnendes Merkmal der Oper. Nicht nur, weil der Aficionado es unter anderem goutiert, dass ein gestandener Embonpoint als Jung-Siegfried oder eine Matrone als zartes Mädchen Pamina sich geriert. Sondern weil insgesamt Märchen, Sagen, Legenden das Arsenal des Genres bilden, wie es sich auch in...
