Schwebeleicht
Für jene, die jede Arie dreimal umdrehen, die alles abklopfen auf Logik und Meta-Ebenen, die mit schwerem Dramaturgenwerkzeug am sperrigen Stück schrauben, basteln und löten müssen, für die ist diese Aufführung nichts. So eine «Zauberflöte» hat das Münchner Gärtnerplatztheater außerdem gerade hinter sich. Dass das Gegenteil keine seichte Niedlichkeitsoffensive sein muss, hat dort nun Rosamund Gilmore vorgeführt. Sie nimmt die «Zauberflöte» so, wie sie ist. Alles ist bei Gilmore und in der hübschen barocken Einheitsarchitektur (Friedrich Oberle) da, wo es der Normalfan vermutet.
Die Wände links sind bemalt mit der Weltall-Welt der Königin, rechts lockt Sarastros lichte toskanische Landschaft. Kein Versuch, die Brüche zu kitten. Kein Vorsatz, die Figuren zu entblößen.
Natürlich scheint Gilmores Tanz-Vergangenheit durch. Aber statt Mozart choreografisch zu verdoppeln, passiert anderes. Kleine, tänzelnde Gesten schleichen sich ein, geben dem Abend etwas Schwebeleichtes, auch Skurriles. Als Papagenos Vogelfänger-Hit anhebt, durchzuckt’s Tamino im Rhythmus. Die drei (Mozart-)Knaben schreiten ironisch-bedeutungsvoll einher. Und die drei Damen (herrlich schräg: Sandra Moon, Sibylle Specht, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Texas muss alles groß sein. So hat die Dallas Opera in ihrem 53. Jahr für ihre dritte Uraufführung nach einer besonders gewichtigen Vorlage gegriffen. Den Umzug in das neue, von Norman Foster entworfene Theater feierte man letzten Oktober unverfänglich mit Verdis «Otello», jetzt wurde mit Herman Melvilles «Moby Dick» ein dicker Brocken gewuchtet, der die...
Wenn ich mich an Mieczyslaw Weinberg erinnere, an seine Musik und seinen Einfluss auf meine Generation, so kann ich mich eines gewissen Schuldgefühls nicht erwehren. Natürlich hätte ich mich aktiver darum bemühen können, diesen großen und ungewöhnlichen Musiker öfter zu treffen, doch meine Schüchternheit hinderte mich daran. Eigentlich hatte ich nur eine einzige...
Ein paar Minuten sitzt man im Dunkel, noch halb betäubt vom ersten Teil, da fallen Gazebahnen von der Decke. Schwarze Leinwände, auf denen es flimmert. Sonnenstrahlen funkeln durchs Dickicht, Bäume und Blätter sind als Projektion zu ahnen. Und dann diese Geräuschkulisse: kein fernes Affengekreisch, kein Zischeln und Rauschen aus dem Klischee-Kino, sondern ein...
