Flucht in den Dschungel
Ein paar Minuten sitzt man im Dunkel, noch halb betäubt vom ersten Teil, da fallen Gazebahnen von der Decke. Schwarze Leinwände, auf denen es flimmert. Sonnenstrahlen funkeln durchs Dickicht, Bäume und Blätter sind als Projektion zu ahnen. Und dann diese Geräuschkulisse: kein fernes Affengekreisch, kein Zischeln und Rauschen aus dem Klischee-Kino, sondern ein Kaleidoskop aus Tonhäppchen, Glocken, Schlagwerk-Episoden. Ferne Blaskapellenklänge wehen herein, zwei Vokalakrobaten hecheln und stöhnen sich die Seelen aus dem Leib.
Tremolierende Sänger ziehen Kisten vorbei, und wie von einem freundlichen Herrn in der Pause aufgefordert, irrt man durch den Kunst-Urwald. Eher schulterzuckend als gebannt: eine Begegnung mit dem Fremden? Mit der vielstimmigen, angeblich so beunruhigenden Natur?
«Amazonas» war das Prestige-Projekt der diesjährigen Münchener Biennale, die unter dem Motto «Der Blick des Anderen» für neue Perspektiven warb. Eine Mega-Uraufführung. Erklärte Krönung und Konzentration aller Anstrengungen. Mit vielen Kraftakten und noch mehr lobenswerten Vorsätzen entstand der 210-minütige Dreiteiler in der Reithalle am Rande des Stadtzentrums. Er widmete sich dem ausgebeuteten Urwald ...
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Albrecht Thiemann Herr Meyer, wann sind Sie Mieczyslaw Weinberg zum ersten Mal begegnet?
Krzysztof Meyer Ich habe ihn im September 1966 in Warschau kennengelernt. Weinberg war damals mit seinem Freund Boris Tschaikowsky aus Moskau zum 10. Warschauer Herbst gekommen. Tichon Chrennikow, der damalige Generalsekretär des sowjetischen Komponistenverbandes, gehörte auch...
Für jene, die jede Arie dreimal umdrehen, die alles abklopfen auf Logik und Meta-Ebenen, die mit schwerem Dramaturgenwerkzeug am sperrigen Stück schrauben, basteln und löten müssen, für die ist diese Aufführung nichts. So eine «Zauberflöte» hat das Münchner Gärtnerplatztheater außerdem gerade hinter sich. Dass das Gegenteil keine seichte Niedlichkeitsoffensive sein...
Die russische Oper vor und neben Glinka und Mussorgsky ist in der westlichen Welt immer noch eine terra incognita. Dabei schlummern in russischen Rundfunkarchiven viele Gesamtaufnahmen von Werken des späten 18. (Paschkewitsch, Fomin, Bortnjanski) und frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts (Verstovski, Serov, Napravnik etc.), die die Legende Lügen strafen, es hätte...
