Schuldig, was heißt das schon?
Vielleicht ist «Tannhäuser» heute die am schwierigsten zu inszenierende Wagner-Oper? Der Sündenfall des Venusbergs ist in Zeiten von Patchwork-Beziehungen und allgegenwärtiger Pornografie ja nur noch schwer plausibel zu machen. So scheint fast zwangsläufig, dass heutige Regisseure die Kategorien von Schuld und Sühne aufzuweichen geneigt sind und für die einst scharfen Gegensätze von Wartburg und Venusberg, von keuscher und sinnlicher Liebe nicht mehr viel übrig haben.
Dieser Trend birgt jedoch die Gefahr, für die von Wagner sehr grundsätzlich verstandene Chiffre von Schuld kein gültiges Bild zu finden und die Dialektik des Werks zu kippen. Was bleibt, ist häufig eine bewusste Leerstelle.
Wie nun am Kasseler Staatstheater, wo Regisseur Lorenzo Fioroni alle Register zieht, um das Treiben einer übersättigten Spaßgesellschaft aufzuzeigen. Paul Zoller hat ihm dafür einen wuchtigen Quader gebaut, eine Bühne auf der Bühne, die sich häufig dreht und enorm wandlungsfähig ist. Gespielt wird in Kassel die Dresdner Fassung, jedoch in der Variante, in der die Ouvertüre nahtlos in das ausgiebige Bacchanal übergeht. Währenddessen dreht sich der noch geschlossene Zauberkasten, auf dem ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Regine Müller
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