Schuld und Gnade
Nicht jede Gnade muss auch eine Ehre sein. Ernst Pepping beispielsweise findet seinen Namen auf der sogenannten «Gottbegnadeten-Liste» jener Musiker, die dem NS-Staat so schützenswert erschienen, dass sie auf «Befehl des Führers» als «lebendiges Kulturgut des deutschen Volkes» vom «letzten Aufgebot» des totalen Kriegs freigestellt wurden. Und wie Harald Genzmer, Hans Pfitzner, Carl Orff oder Richard Strauss ist er keineswegs der Einzige, der sich nach 1945 von dem Makel reinzuwaschen suchte.
Insofern könnte das Tableau, das Hans-Werner Kroesinger im Berliner Radialsystem V an das Ende seiner szenischen Aufführung stellt, auch als verkappte Kritik an dem Komponisten (miss?)verstanden werden – ginge es in dem Projekt innerhalb der Reihe «Broadening the Scope of Choral Music» nicht vordringlich um etwas ganz anderes: nämlich um eine keinesfalls plakative Interpretation des «Passionsberichts», den sich Pepping seinerzeit von der schuldhaften Seele geschrieben hat.
Kroesinger erinnert an die Entstehungszeit, indem er die gemalte Leidensgeschichte Christi im Zentrum eines Dia-Triptychons mit Projektionen eines zerstörten, inzwischen aber wieder sichtlich aufgeräumten Berlin ...
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