Marktforschung

Händels «Tolomeo», «Amadigi» und «Ariodante» in Neuaufnahmen

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Die prekäre Finanzlage seines Londoner Opernunternehmens setzte bei Händel ab Mitte der 1720er Jahre einen Extraschub an kreativer Energie frei. Jede seiner Opern aus dieser Zeit ist zugleich ein Stück praktische Marktforschung nach dem Trial-and-Error-Prinzip: Nachdem er noch im Ende 1727 uraufgeführten «Riccardo Primo» (siehe OW 3/2008) versucht hatte, das Publikum mit ­einem farbigen Historienstoff und orches­traler Opulenz zu ködern, probierte er es ein knappes halbes Jahr darauf im «Tolomeo» mit dem genauen Gegenteil.

Ohne Gelegenheit zu spektakulärem Bühnenzauber, ohne Chorszenen und virtuose Instrumental­obligati reduziert Händel die Geschichte um den exilierten Ägypterkönig auf ihre nackte Seria-Essenz. Alles, was hier in denkbar knappen zweieinhalb Stunden passiert, entwickelt sich allein aus der charakterlichen Disposition der fünf beteiligten Figuren, die auf ihrer Insel eingesperrt sind wie in einem Container. Ein Radikalkonzept, das freilich den Stimmen die ganze Last der Emotionsvermittlung aufbürdet: Stärker als jede andere Händel-Oper steht und fällt der «Tolomeo» mit der Qualität der Sänger. Kein Wunder, dass die bisher erhältlichen, gesanglich kaum mehr als ...

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Opernwelt April 2008
Rubrik: CDs, Seite 52
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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