Nicht nur Wagner

Hermin Esser wird 80 Jahre alt und blickt auf eine lange Karriere zurück. Im Gespräch mit Gerhart Asche erzählt der Tenor vom Unterricht bei Franziska Martienßen-Lohmann, von den Jahren bei Walter Felsenstein und vom Einstieg bei Wieland Wagner.

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Auf das Wort «Heldentenor» reagiert er allergisch. Obwohl Hermin Esser alle Kriterien eines solchen erfüllt hat. Aber: «Diese Einteilerei von heute in die Fä­cher, die geht mir auf den Geist. Denken Sie zum Beispiel an Lilli Lehmann, die sang Zerline und Donna Anna wechselweise. Daneben Norma, die Philine in ‹Mignon›, die Isolde und die Brünnhilden. Heute denkt man in viel zu engen Grenzen.» Und das hat Esser für sich persönlich immer abgelehnt.

Die Tenorpartien von Wagner, Verdi, Puccini, Mozart, Tschaikowsky, Bizet und vielen anderen – das waren für ihn gleichwertige Bestandteile eines großen sängerischen Universums.
Begonnen hat die Karriere des 1928 im nordrhein-westfälischen Rheydt geborenen Esser in den finstersten Nachkriegsjahren. Mit sechzehn noch eingezogen, kehrte er 1945 in seine völlig zerstörte Heimatstadt zurück und wollte eine Stelle finden in seinem angestrebten Beruf als Graveur: «Das Zeichnen hat mir immer schon gelegen; ich pfusche da ganz lustige Sachen zusammen», meint er und zeigt zum Beweis auf die vielen von ihm in verblüffender Origi­naltreue nachgemalten Kopien von be­rühmten Museumsbildern – Renoir, Cézanne, Dürer, Thoma, Modersohn-Becker, Picasso. Sie ...

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Opernwelt April 2008
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Gerhart Asche

Vergriffen
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