Schlicht und ergreifend
Über die Jahre sind die Puccini-Erkundungen Nikolaus Lehnhoffs an der Ams-
terdamer Oper zu einem kleinen Zyklus gewachsen: Nach der unlängst noch einmal für Baden-Baden aufpolierten «Tosca» und «Turandot» ist «La fanciulla del West» die dritte Folge dieser erfolgreichen Zusammenarbeit. Gerüchte wollen bereits von einer Fortsetzung mit «Madama Butterfly» wissen.
Das wäre überaus wünschenswert, denn auch bei Puccinis nicht eben unproblematischer Westernoper zeigt Altmeister Lehnhoff, was er immer noch so gut kann wie sonst kaum einer: Musiktheater für ein großes Publikum zu machen, ohne da-
rüber den Anspruch einer echten Auseinandersetzung aufzugeben.
Bei «Fanciulla del West» bedeutet das zuallererst den Verzicht auf das angestammte
Westernambiente. Puccinis Goldgräber sind zu Rockern in schwarzem Leder geworden, die ihre Räuberhöhle in einem ramponierten New Yorker U-Bahnschacht aufgeschlagen haben. Ein großes Loch in der Wand öffnet den Blick auf die unerreichbaren Traumregionen dieser Großstadt-Desperados: zu den Wolkenkratzern Manhattans, wo das große Geld regiert, und zur fernen Lagerfeuerromantik, die der weiße Cowboy Jake Wallace vor farbsatter Heimatfilmkulisse mit seiner ...
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