Respektabel
Der Coup dieser Fernsehproduktion aus der Met ist der Einsatz von Natalie Dessay als Moderatorin. Sie war zwei Jahre zuvor die Premieren-Lucia und stellt (oder besser: führt?) jetzt ihre Nachfolgerin vor: «The great Russian soprano Anna Netrebko». Sie gratuliert ihr erst zum Baby und lässt einfließen, dass sie deren schon zwei habe, fragt sie nach den Schwierigkeiten der Partie, die sie selbst schon oft gesungen habe, und erntet erwartungsgemäß unverbindliche Antworten.
Schließlich entlockt sie Netrebko – im Beisein des Tenors! – das Geständnis, dass ihr die Szene mit dem Bariton die liebste im Stück sei und dass sie Mariusz fantastisch finde. «Ich auch», pflichtet Dessay bei. Eine nette, scheinbar arglose Schlange. Primadonnen unter sich. Wirklich zum Schmunzeln. Doch auch die Aufführung selbst hat Unterhaltungswert.
Die vom Schauspiel kommende Regisseurin Mary Zimmerman verlegt die Handlung aus dem 17. Jahrhundert in die viktorianische Epoche und schafft ihrer Fantasie damit Freiräume. Zwar gelingt es ihr nur in Ansätzen, die Figuren aus der Schablone zu befreien, aber mit einigen unverbrauchten Einfällen versteht sie es, sowohl die Schauerromantik als auch die Gattung Oper ...
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