Steinerne Tränen
Pling! Klack! Schon während der ersten Dreiklangsschleifen der kleinen Horrorkammer-Oper weint der Schnürboden des winzigen Potsdamer Schlosstheaters versteinerte Tränen. Die Bühne ist leer und schwarz, gerade der rechte Resonanzkasten für Philip Glass’ ohrenfälligen Spuk nach einer Story des Gruselklassikers Edgar Allan Poe. Bleich geschminkte Gesichter schweben im Dunkel, körperlos, maskenhaft, wie Schatten aus der Unterwelt.
Vier Neonstäbe geistern durchs Geschehen, von Pantomimen des Achim Freyer Ensembles in Slow Motion geführt – kalt flammende Unheilszeichen, die mal gefrorene Bilder rahmen oder, zum Kreuz arrangiert, den moribunden Sog markieren, der die Geschichte vom «Fall of the House of Usher» von der ersten bis zur letzten Zeile durchdringt.
Natürlich spielt die stürmische Schreckensnacht, in der für Roderick und seine (von ihm in inzestuöser Zuneigung) verehrte Schwester Madeline das letzte Stündlein geschlagen hat, nur auf den ersten Blick in düsterer Waldeinsamkeit. Der eigentliche Schauplatz dieser Fantasia ist der Kopf. Was Rodericks Jugendfreund William minutiös beschreibt, sind die Umrisse einer Seelenlandschaft, die keine Sonne kennt. Wir schauen in Abgründe, die ...
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Barrie Kosky liebt das Tingeltangel, das Zirzensische, die Show. Und er spielt gern den Bühnenzauberer. Zu Saisonbeginn schickte er an der Komischen Oper Berlin Verdis «Rigoletto» in einen Affenzirkus und riskierte vor lauter Taschenspielertricks, dass statt einer neuen Verdi-Sicht oder zumindest eines Kaninchens bisweilen nur ein falscher Hase aus dem Zylinder...
Christian Pades Neuinszenierung an der Staatsoper ist die vierte Berlin-Potsdamer «Fledermaus» in drei Jahren. Eine Liebesheirat scheint es nicht gewesen zu sein. Eher eine Geschäftsbeziehung. Bühne und Orchester leben aneinander vorbei, ohne Notiz von
einander zu nehmen. Pade inszeniert Michel Houellebecq, Zubin Mehta dirigiert Hans Moser.
Regie-Idee war die seit...
Tschaikowskys einzige komische Oper basiert auf Nikolai Gogols ukrainischem Volksmärchen «Die Nacht vor Weihnachten» und wird selbst in Russland als Rarität gehandelt. Francesca Zambello brachte sie nun zur Vorweihnachtszeit erstmals in Covent Garden auf die Bühne. Der Komponist selbst hatte stets eine besondere Vorliebe für dieses Werk und nannte es einmal sogar...
