Alles im Fluss
Barrie Kosky liebt das Tingeltangel, das Zirzensische, die Show. Und er spielt gern den Bühnenzauberer. Zu Saisonbeginn schickte er an der Komischen Oper Berlin Verdis «Rigoletto» in einen Affenzirkus und riskierte vor lauter Taschenspielertricks, dass statt einer neuen Verdi-Sicht oder zumindest eines Kaninchens bisweilen nur ein falscher Hase aus dem Zylinder kam. Jetzt startete er am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover einen neuen «Ring» ebenfalls mit einem Abstecher ins Varieté.
Das ging besser auf, vielleicht weil er diesmal seinen Einfall nicht abendfüllend überanstrengte. Für Kosky ist der Rhein eine Art Friedrichstadtpalast. Erst strecken die Rheintöchter ihre Köpfe durch den ansonsten geschlossenen Bühnenvorhang, als wollten sie sich vergewissern, dass auch alle da sind. Dann lassen der Regisseur und sein Ausstatterteam Klaus Grünberg (Bühne) und Klaus Bruns (Kostüme) Showgirls mit viel Federn zu Wagalaweia sehr bildhaft und vor allem sehr musikalisch Wogen wedeln. Das Rheingold ist eine barbusige Schöne, die auch Goldfinger betören könnte. Stattdessen wird sie von Alberich geraubt und in einem Umzugskarton verstaut. Der Zwerg tritt zunächst wie der Star einer ...
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Beim Anflug auf Moskau zeigt sich der Himmel noch bedeckt, fleckig und grau. Die Bäume leuchten gelb und rot. Boote dümpeln auf matt schimmerndem Wasser, aber die Natur kann schon nicht mehr verbergen, dass der Herbst sie getroffen hat. Dann wird es noch dunkler, Nacht senkt sich über den Flughafen Sheremetyevo. Umsteigen. Der gewaltige Airbus glänzt silbern im...
So recht hat das Publikum des deutschen Nationaltheaters vermutlich noch immer nicht begriffen, was für eine Sensation es in den letzten Jahren miterleben durfte. Zwar verrät die Biografie im Beiheft der neuen Weimarer «Rigoletto»-Produktion, dass der Titelheld der Aufführung diese Rolle inzwischen auch an der Met, in Los Angeles und in Wien singt oder singen wird...
Wo er Recht hat, hat er Recht. «Man trifft im Leben», sagt Hans Neuenfels, «wenn man Glück hat, einige Lebende, die das Leben lebenswert machen. Doch glaube ich, die Zahl der Toten ist ungleich größer.» Zu diesen beneidenswert vitalen Toten gehören für Neuenfels all jene Komponisten, deren Musik ihn umtreibt. Und um diese Musik zu verstehen, trifft er sich gern mit...
