Reitwalhalle
In «Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes» erzählt Friedrich Torberg unter anderem von einem Gast namens Soyka, der einst das Wiener Café Herrenhof in komplettem Reitkostüm mit Schaftstiefeln, Sporen und Gerte betrat. Worauf der Schriftsteller und Aphoristiker Alfred Polgar süffisant bemerkte: «Ich hab’ ja auch kein Pferd, aber so kein Pferd wie der Soyka hab’ ich nicht.» In Uwe Eric Laufenbergs Linzer Inszenierung von «Die Walküre» hat man zwar ein Pferd.
Aber das Tier, das zu Beginn des dritten Akts mit seiner hübschen Reiterin Runden in einer herabgekommenen Reithalle dreht (Bühne: Gisbert Jäkel), erinnert irgendwie an Torbergs Anekdote. Denn in seiner einsamen Anwesenheit betont es die Abwesenheit der anderen – so keinen Walkürenritt wie diesen gibt es kaum. Obwohl ein bemühtes Wunschmädchen-Geschwader in Flieger-Outfits der 1920er-/30er-Jahre (Kostüme: Antje Sternberg) Helden ganz und in Einzelteilen – Arme, Beine – sammelt und zu einer Art Skulptur von Körpern zusammenfügt. Falls dies ironisch das faschistische Potenzial, das dieser Szene innewohnt, herauskitzeln soll, greift es wohl zu kurz. Wirklich überzeugend sah man diese Szene freilich auch in anderen ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Der Frage, wie es Wagner in Bayreuth zurzeit geht, nähert man sich am besten durch den Park der Villa Wahnfried. Weit kommt man nicht, den Weg versperrt ein Bauzaun, an dem ein Banner hängt. Darauf steht in hellgrauen Buchstaben: Bitte um Verständnis. Dahinter liegt das, was vom Park, wie man ihn kennt, übrig ist. Es ist nicht viel.
Im Sommer 2015 soll hier das...
Mit seinen Opern hatte Antonín Dvorák, mit Ausnahme von «Rusalka», außerhalb Böhmens wenig Glück. Der 1875 komponierten «Vanda» war selbst in seiner Heimat kein Erfolg beschieden: Der Fünfakter im Stil der französischen Grand opéra fiel bei der Prager Premiere durch und ist heute gründlich vergessen. Zu Unrecht, wie jetzt die Osnabrücker Aufführung bewies. Gewiss...
Jubilare
Er gehört zu den wenigen französischen Opernsängern, die 18 Jahre in Folge an der New Yorker Met gastierten. Der Bariton Gabriel Bacquier erhielt seine musikalische Ausbildung zwischen 1945 und 1950 am Pariser Konservatorium und war von 1953 bis 1956 Ensemblemitglied am Brüsseler Opernhaus La Monnaie, wo er französisches und italienisches Repertoire sang....
