Rausch der Verwandlung
Die Szene kennen wir, sie zählt zu den entrücktesten des Stücks. «Tannhäuser», dritter Akt, wenige Minuten nach dem Entrée, das Lento. Ein Engel fleht um Aufnahme in den himmlischen Kreis, «mit halber Stimme», in hauchdünnem pianissimo und jenem silbrig schimmernden Ges-Dur, das Richard Wagner mit Bedacht für Elisabeths Gebet wählte, um ihrem Ansinnen den nötigen feierlichen Ausdruck zu verleihen. Was hat sie zuvor auch gelitten. Erst verlassen, dann betrogen und gedemütigt, nun der letzten leisen Hoffnung beraubt, den abtrünnigen Geliebten rettend in die Arme zu schließen.
Entsprechend desillusioniert hockt sie da im verwaisten Ballettsaal, die in apartes Dunkelblau gewandete Svetlana Aksenova, und produziert, vom Nederlands Philharmonisch Orkest unter Marc Albrecht wie auf weinenden Wolken getragen, einen schaurig-schönen Ton nach dem anderen. So weit, so tragisch.
Doch etwas ist anders als sonst in Christof Loys exzeptioneller Amsterdamer Inszenierung. Nicht nur Wolfram, der stets treue, unglücklich Liebende, hat sich, um den Schmerz zu lindern, eingefunden, seit einer Weile wandelt wankend noch eine weitere Trostsuchende über die riesige, zahnlose Bühne von Johannes Leiacker, ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Vor 30 Jahren gewann der russische Bariton Dmitri Hvorostovsky vor seinem walisischen Fachkollegen Bryn Terfel den BBC-Wettbewerb «Cardiff Singer of the World» und startete damit in seine große internationale Karriere. Noch im selben Jahr gab er in einer Rundfunkproduktion von Tschaikowskys «Pique Dame» in der Partie des Jeletzki sein Debut in Moskau.
Die auch...
Während Jean-Philippe Rameaus Opern inzwischen auch außerhalb Frankreichs einen Platz im Repertoire gefunden haben, tut man sich mit seinen opéra-ballets immer noch schwer. Diese Mischgattung aus Gesang und Tanz, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebte, ist ohne den höfischen Rahmen, für den sie geschaffen wurde, nicht leicht...
Franz Schreker erging es wie fast allen der 1933 von den Nazis ins Exil vertriebenen oder zur inneren Emigration gezwungenen Komponisten. Aber sein Fall war tiefer als der Alexander von Zemlinskys oder Walter Braunfels’, um nur zwei Namen mit gänzlich gegensätzlichen Lebensschicksalen zu nennen. 1920, nach der Uraufführung des «Schatzgräbers», stand er als...
