Bewusstseinsströme
Franz Schreker erging es wie fast allen der 1933 von den Nazis ins Exil vertriebenen oder zur inneren Emigration gezwungenen Komponisten. Aber sein Fall war tiefer als der Alexander von Zemlinskys oder Walter Braunfels’, um nur zwei Namen mit gänzlich gegensätzlichen Lebensschicksalen zu nennen. 1920, nach der Uraufführung des «Schatzgräbers», stand er als meistgespielter Opernkomponist neben Strauss im Zenit seines Ruhms.
Schon 1918 hatte ihn Paul Bekker, Musikkritiker der «Frankfurter Zeitung», emphatisch in einer «Studie zur Kritik der modernen Oper» als «zukunftvollen Erneuerer» des nachwagnerischen Musiktheaters begrüßt. Aber die kulturpolitische Stimmung schlug bereits Mitte der 1920er-Jahre um. Die späteren Opern – «Irrelohe» (1924), «Der singende Teufel» (1928) und «Der Schmied von Gent» (1932) – waren herbe Misserfolge, die älteren wurden kaum mehr nachgespielt und die für 1933 geplante Uraufführung des «Christophorus» nach der Machtergreifung der Nazis abgesetzt. Kein Komponist fiel so der Vergessenheit anheim wie der von den Reaktionären wie den Avantgardisten gleichermaßen geschmähte Schreker – ein tragisches Schicksal, aus dem ihn erst 1979 die spektakuläre ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Uwe Schweikert
Letzten August widmete das Magazin der «New York Times» dem Thema eine ganze Ausgabe: «Losing Earth. The decade we almost stopped climate change». Es ging um die Jahre 1979 bis 1989, als die Theorie der hausgemachten globalen Erwärmung zum ersten Mal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte und die Mächtigen dieser Erde nur ein paar Unterschriften entfernt waren...
Verstörendes Vexierbild. Grausam und doch zauberhaft, anmutig. Während die Solo-Klarinette ihre unruhig-flackernde Klage ins Dunkel schickt, stürzen in einem großformatigen Video zwei leichtbekleidete Frauen wie in einer Traumsequenz in ein Bassin, Hand in Hand, und wie sich bald herausstellt, im Todeskampf unentrinnbar miteinander verbandelt. Letzte Blasen...
Zum fiebrig filigranen Orchestervorspiel ringt ein Menschenknäuel auf einer Halbkugel. Sie erinnert an die Neu-Bayreuther Weltenscheibe, wuchtig wölbt sie sich gen Himmel. Bald sehen wir ein männliches Paar, das sich gar schmerzlich voneinander löst. Der eine gleicht einem buckligen Rigoletto oder Alberich, der andere, mit seinen ausstaffierten Schulterpolstern,...
