Liebhaber aus Washington
Während Jean-Philippe Rameaus Opern inzwischen auch außerhalb Frankreichs einen Platz im Repertoire gefunden haben, tut man sich mit seinen opéra-ballets immer noch schwer. Diese Mischgattung aus Gesang und Tanz, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebte, ist ohne den höfischen Rahmen, für den sie geschaffen wurde, nicht leicht vermittelbar. In «Les fêtes de l’Hymen et de l’Amour«, 1747 in Versailles uraufgeführt, geht es um diverse Kämpfe, die sich schließlich in Harmonie und Wohlgefallen auflösen.
Im Prolog ist es der Streit zwischen Amor und Hymen: Die Liebe will nicht zwingend mit der Ehe verbunden sein. Im ersten Akt (entrée nannte man das damals) rüstet die Amazonenkönigin Orthésie zum Krieg gegen den ägyptischen Gott Osiris, der sich ihr friedlich nähert und dessen Charme sie schließlich erliegt. Im zweiten verliebt sich der Nilgott Canope in die schöne Agéris, die ihm zum Opfer gebracht werden soll, befreit sie und jagt die Priester zum Teufel. Der letzte Akt ist ein künstlerischer Wettkampf, aus dem Orie als Siegerin hervorgeht und damit das Herz von Aruéris, dem Gott der Künste, erobert.
Die von Ryan Brown gegründete Opera Lafayette mit Sitz ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Ekkehard Pluta
Verstörendes Vexierbild. Grausam und doch zauberhaft, anmutig. Während die Solo-Klarinette ihre unruhig-flackernde Klage ins Dunkel schickt, stürzen in einem großformatigen Video zwei leichtbekleidete Frauen wie in einer Traumsequenz in ein Bassin, Hand in Hand, und wie sich bald herausstellt, im Todeskampf unentrinnbar miteinander verbandelt. Letzte Blasen...
Der Lütticher Opernintendant Stefano Mazzonis di Pralafera gibt auf die Frage nach seinem ästhetischen Grundkonzept gerne augenzwinkernd zu Protokoll, er führe ein italienisches Opernhaus in Belgien. Will sagen, ein Haus, das sich konservativen Lesarten der Gattung verpflichtet sieht und sich damit bewusst und mit hoher Auslastung abgrenzt gegen seine Kollegen in...
Die beiden Züge rasen nicht aufeinander zu, sie stehen still. Führerstände einander zugekehrt, dummerweise auf demselben Gleis. Die Lokführer bleiben stur, Verhandlungen sollen nun klären, wer zurück in den nächstliegenden Bahnhof muss. «Im stillen Kämmerlein» sollen diese Gespräche geführt werden, so die Sprachregelung der Salzburger Osterfestspiele. Und so...
