Rap mit Rossini
Noch zu Zeiten Gioacchino Rossinis aßen die armen Bauern und Handwerker fast nie Fleisch, und an Freitagen und in der vorösterlichen Fastenzeit verbot ihnen die christliche Sittenlehre, das zu essen, was sie ohnehin nicht hatten. Auch fromme Monsignori und weltliche Herren übten sich in strengem Verzicht – zungenschnalzend mit Flusskrebsen, Muscheln, Hummern, Forellen oder gebratenen Fischottern (alles kein Fleisch!). Dergleichen Ausweichmanöver wurden auch auf weltliche Unterhaltung angewandt.
Den gebildeten Musikliebhabern war das frivole Vergnügen der Oper im Advent und in der Fastenzeit untersagt, doch der liebe Gott schrieb nicht vor, die Theater zu schließen: Seine Stellvertreter auf Erden erlaubten an der Schwelle zum 19. Jahrhundert die Aufführung geistlicher Oratorien. Auch Rossini schrieb azioni sacre. Sein «Ciro in Babilonia ossia La caduta di Baldassare» (1812) und sein «Mosè in Egitto» (1818, bzw. in Frankreich 1827 als «Moïse et Pharaon») gingen später, als der Fastenrigorismus sich aufweichte, als stinknormale opere serie durch.
All das ist interessant. Doch «Ciro», neuinszeniert beim Rossini-Festival in Pesaro, reizt mit Francesco Aventis ungeschicktem Libretto, ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Dietmar Polacek
Er habe sich von volkstümlichen, zur Laute gesungenen Liedern in einer «historischen» Bauernstube zu seiner Oper «Der Schatzgräber» inspirieren lassen, teilte Franz Schreker mit. So seltsam unecht diese Szenerie, so absonderlich mutet die Häufung der Märchenmotive im Libretto an: Da ist eine Königin, die nach der Entwendung ihres Schmucks schwermütig wird. Da ist...
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