Kleine Leut’ ganz groß

Fundstücke von Hans Gál, Friedrich Goldmann und Mieczyslaw Weinberg auf Berliner Werkstattbühnen

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Jede Köchin muss in der Lage sein, die Staatsmacht auszuüben», lässt sich Lenin im Programmheft zitieren. Bevor das allerdings geschehen kann, gilt es erst einmal Tabula rasa zu machen in den eigenen vier Wänden. Von denen kann in der Oper «Wir gratulieren» von Mieczyslaw Weinberg zwar nicht die Rede sein; zwei Akte lang spielt sie in der Küche eines hochherrschaftlichen Hauses. Aber am Ende erstürmt das «verfluchte Pack», wie Madame das Dienstpersonal abschätzig tituliert, die Beletage, und dann ist es vermutlich aus mit den bestehenden Klassenverhältnissen.



Doch das ist eine andere Geschichte. Weinberg erzählt uns, das Theaterstück «Masel tov» von Scholem Alejchem aufgreifend, von den Voraussetzungen, die zum revolutionären Aufbegehren führen. Die Köchin Bejlja hat anfangs jedenfalls andere Sorgen. Früh verwitwet, ersehnt sie sich einen Mann, während sie ihren ganzen Frust in den Teig hineinknetet. Da kommt ihr Reb Alter gerade recht. Der Hausierer ist zwar auch nur ein armer Schlucker, hat aber «Das Kapital» von Karl Marx im Gepäck, und dessen Erkenntnisse warten nur darauf, mit Hilfe eines blutjungen Domestiken-Pärchens in die Praxis umgesetzt zu werden.

Zum Umsturz unter ...

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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hartmut Regitz

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