Quadruple-Bill
Eine New Yorker Polizeischule mag ein ungewöhnlicher Ort sein, um die Frage «Was ist Kunst?» zu erörtern – eine Frage, die Paul Hindemith einst an seine drei Komponistenkollegen Darius Milhaud, Ernst Toch und Kurt Weill gerichtet hatte. Aber für die Gotham Chamber Opera erwies sich das intime Gerald W. Lynch Theater im John Jay College of Criminal Justice in Manhattan als bestens geeignet, um ihr aufs Neue nachzugehen. Die Kompanie betraute den Regisseur Paul Curran mit einem Reenactment der besonderen Art: Er sollte sich die vier Werke vornehmen, die am 17.
Juni 1927 auf dem Programm des Baden-Badener Festivals für zeitgenössische Musik gestanden hatten: Milhauds «L’Enlèvement d’Europe», Tochs «Prinzessin auf der Erbse», Hindemiths «Hin und zurück» und Weills «Mahagonny Songspiel». Curran wählte als Rahmen die Situation einer Vernissage, eine Galerie mit Gemälden von Georg Baselitz. Die Choristen agierten als entsprechend schick gekleidetes Ausstellungspublikum (Kostüme: Court Watson), während die Szene mithilfe der Drehbühne stetig um neue Exponate (darunter auch die berüchtigte Erbse) erweitert wurde und die Sängerdarsteller zwischen den einzelnen Stücken vom Regisseur ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 78
von David Shengold
Über den Philosophen, Kulturkritiker und Politiker Wagner war im Wagner-Jahr viel zu lesen, über den Komponisten, den Musiker Wagner recht wenig. Zu den rühmlichen Ausnahmen gehört das Buch des Musikwissenschaftler-Ehepaars Melanie Wald und Wolfgang Fuhrmann, das sich mit der Leitmotivik einer zentralen ästhetischen Kategorie von Wagners musikalischer Dramaturgie...
Einer der besten Sätze von Tante Jolesch ist folgender: «Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus». Zumindest in Österreich hat das Zitat aus Friedrich Torbergs Buch Eingang in den Sprichwortschatz gefunden. Nach diesem Maßstab gibt sich die Neuinszenierung von Puccinis «La fanciulla del West» an der Wiener Staatsoper extrem luxuriös: Jonas Kaufmann...
Der Mann ist nicht totzukriegen. Eigentlich sollte nur seine Stimme aus dem Sarg ins Diesseits hinübertönen, aber in Yona Kims «Parsifal»-Inszenierung am Staatstheater Braunschweig ist Titurel quicklebendig. Festen Schrittes folgt er seinem wundgeplagten Sohn. Er verpasst Amfortas sogar eine Ohrfeige, als der sich ziert, das Ritual der Gralsenthüllung zu...
