Gefühlswegweiser
Über den Philosophen, Kulturkritiker und Politiker Wagner war im Wagner-Jahr viel zu lesen, über den Komponisten, den Musiker Wagner recht wenig. Zu den rühmlichen Ausnahmen gehört das Buch des Musikwissenschaftler-Ehepaars Melanie Wald und Wolfgang Fuhrmann, das sich mit der Leitmotivik einer zentralen ästhetischen Kategorie von Wagners musikalischer Dramaturgie zuwendet. In zwei einführenden Kapiteln nähern die beiden Autoren sich dem Thema, grenzen Wagners Gebrauch von der bloßen Erinnerungsmotivik ab, wie die Oper sie seit dem ausgehenden 18.
Jahrhundert kennt, und definieren das Leitmotiv als «eine musikalische Gestalt, die auf etwas Nicht-Musikalisches verweist, das eine Bedeutung entfaltet». Auf zweierlei Weise unterscheidet Wagner sich von allen Vorläufern: einmal durch ein semantisches System, das gleichermaßen Personen, Objekte oder Gefühle betrifft; zum andern durch eine Klangdramaturgie, die die Motive, ähnlich den Themen einer Sinfonie, der Verarbeitung, Variantenbildung und Fortspinnung unterwirft. Wagner selbst spricht in «Oper und Drama» von «Gefühlswegweisern durch den ganzen vielgewundenen Bau des Dramas». Wald/Fuhrmann exemplifizieren diesen «Beziehungszauber» ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
In der Karriere von Jules Massenet reiht sich Erfolg an Erfolg, vom Durchbruch mit «Le Roi de Lahore» 1877 bis hin zum berührenden Alterswerk «Don Quichotte» von 1910. Manche Stücke waren nur kurzzeitig Kassenfüller, andere – wie «Manon» und «Werther» – wurden Klassiker. Zwei Flops allerdings erlebte der Franzose auf dem Gipfel seines Ruhms: «Sapho», eine Mischung...
Impressum
54. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752262
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 12.11.2013
Redaktion:
Albrecht Thiemann (V.i.S.d.P.)
Wiebke...
Die «Not um den Geschlechtstrieb» im «Parsifal» –Friedrich Nietzsche hat ihn als einer der Ersten spöttisch aufs Korn genommen. Nicht von ungefähr, handelt es sich dabei doch um nur eine der – gerade aus heutiger Sicht – anachronistisch anmutenden Ideen dieses ideologisch nicht unproblematischen Werks.
In seiner Neuinszenierung des Bühnenweihfestspiels für die...
