Pure Neugier
Herr Spuck, was hat Sie bewogen, sich der Oper zuzuwenden? Ein äußerlicher Anlass? Innere Notwendigkeit?
Neugierde. Faszination eines Metiers, das ich schon immer mochte. Einer der Gründe, weswegen ich vor drei Jahren am Theater Heidelberg die Oper «Berenice» von Johannes Maria Staud inszeniert habe, war der Wunsch, intensiver an der Entwicklung der Bühnenfiguren zu arbeiten. Ich hatte eben in Stuttgart mit «Lulu» mein erstes abendfüllendes Ballett choreografiert und dabei den Eindruck, die Charaktere nicht stark genug entwickelt zu haben.
Bei der Oper hoffte ich, das besser, genauer zu machen und dazuzulernen.
«Berenice» war nicht wirklich Ihre erste Opernarbeit. Eigentlich haben Sie sich schon als Assistent von Marco Santi mit dem Metier vertraut gemacht.
Das ist insofern richtig, als wir Rameaus «Les Boréades» im Alten Theaterhaus mit Frieder Bernius und dem Stuttgarter Barockorchester und zwei Jahre später «Les Indes galantes» in einer nur leicht gekürzten Fassung mit demselben Team im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg erarbeitet haben. Bei beiden Werken handelte es sich allerdings weniger um Inszenierungen als um choreografische Arbeiten im Rahmen konzertanter Aufführungen. ...
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Es gehört zum Job des Intendanten, die Werbetrommel zu rühren und im Rückblick ein bisschen zu verklären. «Wohl selten ist eine zeitgenössische Oper unter glücklicheren Umständen geboren worden», meinte Gustav Rudolf Sellner über die Uraufführung von «Der junge Lord» an der Deutschen Oper Berlin. 1965 fand die statt, und natürlich meinte Sellner die Umstände der...
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht...
Wie wenig sich die Zeiten ändern! 1992, als die Scala-Saison ebenfalls mit «Don Carlo» eröffnet wurde, habe vier Tage «Weltuntergangsstimmung» geherrscht und eine «nationale Identitäskrise» gedroht, berichtete Gabor Halasz damals in «Opernwelt» (siehe OW 2/1993). Der Grund: Luciano Pavarotti war grausam ausgepfiffen worden, weil er das hohe «H» nicht einwandfrei...
