Klang und Körper
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht weiß, was sie tut, das aber mit einer Insistenz, die sie am Ende den Kopf kostet.
Reinhild Hoffmann positioniert ihre Protagonistin auf dem rechten Teil der diagonal geteilten Bühne Dieter Hackers, und so wie sie Anne Lünenbürger präsentiert, entzieht sich das einer gängigen Rollenvorstellung. Da ist kein Klischee. Das Bewegungskonzept entwickelt sich vielmehr aus dem Körper dieser Salome, und der wirkt in jedem Augenblick authentisch als Ausdruck einer inneren Notwendigkeit: lustvoll und lasziv zugleich. Reinhild Hoffmann ist von Haus aus Choreografin. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie sich und damit die anderen gehen lässt. Selbst den «Tanz der sieben Schleier», wahrhaft eine große Nummer, hat die Opernregisseurin ganz zurückgenommen. «Geradezu ungelenk», wie Guido Fischer in der Frankfurter Rundschau schreibt, ...
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Auf ihrer Website stellt sie sich als Stimmsolistin, Schauspielerin, Sängerin und Cellistin vor. Salome Kammer hat diese Reihenfolge zweifellos bewusst gewählt. Dass die Vokalkunst, der experimentelle Einsatz der Stimme an erster Stelle steht, ergibt sich aus der Laufbahn dieser von vielen Musen geküssten Klangrednerin, die aus einem kinderreichen hessischen...
Die Saarbrücker Generalintendantin Dagmar Schlingmann hat für ihre Inszenierung von Rossinis «Barbier von Sevilla» an der Commedia dell’arte Maß genommen. Herausgekommen ist allerdings wenig mehr als eine müde Posse. Originell geriet der Beginn, wenn Almavivas Ständchen auf die von ihrem Vormund Bartolo unter Verschluss gehaltene Rosina vom karikierten Auftritt...
