Gleichnis in Rüschen

«Fidelio» und «Der junge Lord» als DVDs aus der Deutschen Oper Berlin

Opernwelt - Logo

Es gehört zum Job des  Intendanten, die Werbetrommel zu rühren und im Rückblick ein bisschen zu verklären. «Wohl selten ist eine zeitgenössische Oper unter glücklicheren Umständen geboren worden», meinte Gustav Rudolf Sellner über die Uraufführung von «Der junge Lord» an der Deutschen Oper Berlin. 1965 fand die statt, und natürlich meinte Sellner die Umstände der künstlerischen Arbeit. Hans Werner Henze war vor Ort, Ingeborg Bachmann als Librettistin eng einbezogen, das Ensemble bis in die kleinsten Rollen hinein glänzend; Dohnányi dirigierte, und der Hausherr führte Regie.

Man zog an einem Strang, und zumindest beim Publikum kam die Sache prächtig an. Bei der Presse weniger.
Es war zwar noch nicht die Zeit der Großen Koalition, in der es so gut wie keine Opposition mehr gab; noch waren Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke am Leben und aktiv. Noch war Henzes «Floß der Medusa» nicht geschrieben, dessen Uraufführung mit dem Gedenken an Che Guevara und Polizeiknüppeln verbunden ist. Doch eine Komödie wie «Der junge Lord», das kam vielen doch zu harmlos vor in dieser Zeit vor dem spürbar nahen, großen Umbruch. Eine Opera buffa als Signal? Kritik, die «Der junge Lord» am Stillstand im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 23
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dissonanzen im Märchenwald

«Werkraum-Theaterlabor» steht an der Tür im Freiburger Theatercafé. Das klingt nach Experiment und nach Spannung. Hier, auf dieser kleinsten Bühne des Freiburger Theaters, ist in der letzten Spielzeit «Der unglaubliche Spotz» vom Verein «indieoper» uraufgeführt worden – ein Stück von Mike Svoboda und Manfred Weiß, das inzwischen auch in Stuttgart und Augsburg zu...

Achterbahn der Gefühle

In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit...

Theatermusik

Adorno hat seine Kritik an Wagners Musik in eine dialektische Volte verpackt: Die Leitmotivtechnik mit ihrer Statik bilde die Kehrseite von Wagners «unendlicher Melodie». Insbesondere der «Götterdämmerung» warf Adorno vor, sie schleppe eine ganze «Armatur von Leitmotiven» mit sich herum; damit seien musikalischer Fluss und die Chance zur wahren Entwicklung...