Präzisionsarbeit

Massenet: Don Quichotte Wuppertal / Wuppertaler Bühnen

Opernwelt - Logo

Eigentlich hat Jules Massenets «Don Quichotte» ­alles, was eine Oper braucht: eine tragikomische Liebesgeschichte, eine starke Hauptfigur, sentimentale Szenen unter nächtlichem Sternhimmel, große und lebendige Chöre und ein tränenreiches Ende. Dennoch ist das Werk nach dem Schauspiel «Le Chevalier de la longue figure» – für das natürlich Cervantes unsterblicher Roman Pate stand – auf den Spielplänen eine Rarität.

Oder liegt es vielleicht am irritierenden Untertitel «heroische Komödie», dass der «Don Quichotte» so selten gegeben wird?

Ein überzeugendes Plädoyer für das verkannte Werk leistet nun das Wuppertaler Opernhaus, das wie viele kleine Theater immer wieder durch Mut zu Entlegenem und einen kreativen Spielplan auffällt.

Regisseur Jakob Peters-Messer setzt auf eine surreale (Alp-)Traum-Szenerie, lässt sich lediglich ironisch zitierend auf spanische Folklore und Lokalkolorit ein. In Markus Meyers hellgrauem Einheitsbühnenraum führen steile Treppen ins Nichts, kleben Türen hoch unter der Decke und verbiegen sich Möbel ins grotesk Dysfunktionale. Wo der Raum gelegentlich zu eng wird, weiten sparsam eingesetzte Videoprojektionen den Blick. Die Märchenelemente der Handlung übersetzt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Regine Müller

Weitere Beiträge
All die Leiden

Man kann den Mozart ändern, wenn man ihn ändern kann. Brechts auf Shakespeare gemünztes Diktum konnte einem beim neuen Basler «Idomeneo» in den Sinn kommen. Freilich wird dort zunächst nicht geändert, sondern hinzugefügt: die Video-Beiträge des auch an der Ausstattung beteiligten Falko Herold. Schon während der Ouvertüre der imaginierte Kriegsverlauf: Puppen,...

Und nun?

Amfortas hat sich fast entblößt. Sein blutverschmiertes Unterzeug lässt keinen Zweifel: Klingsors Speerstoß traf die Genitalzone. Nach der Gralsenthüllung, zu der Amfortas mühsam geschleppt wird, kriecht der blütenweiße Parsifal auf allen Vieren auf ihn zu. Mag er auch nicht begreifen, was er sah – neugierig geworden ist er. Einen ersten Schritt auf die Erlösung...

Gemischte Gefühle

In seiner auf zwölf CDs ausgelegten Schubert-Edition hat der Bariton Matthias Goerne die siebte Folge erreicht. Litt die zuletzt in der Reihe veröffentlichte Aufnahme des «Schwanengesangs» vor allem unter dem schwerfälligen, lethargischen Klavierspiel des Begleiters Christoph Eschenbach – was die Lieder manchmal geradezu auf der Stelle treten ließ –, so bekommt...