All die Leiden
Man kann den Mozart ändern, wenn man ihn ändern kann. Brechts auf Shakespeare gemünztes Diktum konnte einem beim neuen Basler «Idomeneo» in den Sinn kommen. Freilich wird dort zunächst nicht geändert, sondern hinzugefügt: die Video-Beiträge des auch an der Ausstattung beteiligten Falko Herold. Schon während der Ouvertüre der imaginierte Kriegsverlauf: Puppen, übergroße Münder und Augen, vor Schreck aufgerissen, archaisch wirkend und ins Hochexpressionistische verzerrt. Stumme Schreie. Das ist eindrucksvoll gemacht, stört aber auch. Und: Es bedrängt die Musik.
Andrea Marcon, erstmals mit Mozart befasst, und sein La Cetra Barockorchester Basel begegnen der dominanten Optik auf die delikateste, feingliedrigste Art, schwebend oft. Gleichwohl dürfte sich die Tonspur nachdrücklicher ins Bühnenspiel einmischen, es beherzter vorantreiben, mehr dramatische Impulse entwickeln. Ein Musizieren, historisch bewandert, aber allzu diskret.
Der Video-Anteil bestimmt die Szene auch weiterhin. Und nicht nur, wenn Strahlen wie ein rasender Wirbel Idomeneos Kopf umkreisen und bei seiner Arie «Fuor del mar» ein Totenhaupt auf sein Ende vorausweist, spiegelt die Filmparallele das desaströse Innere der ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heinz W. Koch
Mieczyslaw Weinberg
war die Entdeckung der Bregenzer Festspiele 2010. Ein vergessener jüdischer Komponist, der Opfer mehrerer Regime geworden ist. Nun wird seine «Passagierin» in Karlsruhe nachgespielt. Und in Mannheim kommt es zu einer regelrechten Weinberg-Uraufführung.
Cecilia Bartoli
hat die überaus fordernde Rolle der Norma zunächst konzertant in Dortmund...
Humor, Witz, Spaß – mit dem Komischen tut sich die Musikavantgarde meist schwer. Lacher sind nur erlaubt, wenn sie im Halse stecken bleiben. Wenn sie schwarz klingen, schwer, verquer. Dada war gestern. Der heilige Ernst strukturellen Denkens, so scheint es, schluckt allzu oft die Lust auf intelligenten Schabernack. Experiment und heiterer Esprit, Komplexität und...
Da scheint einer Fuß zu fassen. Eine ästhetisch sehr bewusste Art, Oper zu machen, scheint in Zürich angekommen zu sein. Die Zustimmung, zumindest in den Premieren von Andreas Homokis Team, ist bemerkenswert. Das bedeutet auch: Ein stets als etwas genusssüchtig eingestuftes Publikum bewährt sich vor den Ansprüchen, die die neue Intendanz stellt. Mag sein, dass das...
