Per Gondel nach Walhall

In Genf schmieden Dieter Dorn und Jürgen Rose nach alten Plänen einen zeitlosen «Ring».

Opernwelt - Logo

Gut möglich, dass sie selbst nicht mehr daran geglaubt haben. Einst wurden Dieter Dorn und Jürgen Rose, in gefühlter ewiger Theater-Kollaboration verbunden, von Wolfgang Sawallisch gefragt, ob sie 1987 Wagners «Ring des Nibelungen» an der Bayerischen Staatsoper realisieren wollen. Dorn, damals Prinzipal der Münchner Kammerspiele, lehnte ab. Zu aufwändig, zu viel Arbeit neben dem Intendantenjob. Gleichwohl: Ein Konzept wurde entworfen – man weiß ja nie. Und verändert wurde es 26 Jahre später kaum, sagt nun der Regisseur.

Was auch gar nicht geht nach dem Selbstverständnis eines Duos, das aus aller Modenregiewelt gefallen ist. Menschenschau und Charakterbefragung pur, das funktioniert bei den beiden, ob in Schauspiel oder Oper, ohne szenische Krücken und Konzeptwust.

Eine Absage brachte nun die späte Erfüllung der Pläne. Eigentlich sollte Christof Loy den Genfer «Ring» inszenieren, nach seinem Rückzug holte Intendant Tobias Richter die Routiniers. Keine Experimente, sondern solide, handwerklich gut abgesicherte Theaterfantasie, das ist der Kontrapunkt zur kommenden Bayreuther Castorf-­Tetralogie. Ein solches luftig-leichtes «Rheingold»-Finale wie jetzt am Grand Théâtre ward auch noch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Die leeren Stühle

Am 12. März 1938 marschierten deutsche Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten in Österreich ein und sorgten für den sogenannten «Anschluss». So unvorbereitet, wie man nachher im Sinne der «Opferlegende» tat, war man freilich nicht, auch nicht bei den Wiener Philharmonikern: Beinahe ein Drittel war schon vor 1938 der illegalen NSDAP oder parteinahen Organisationen...

TV-Klassiktipps

arte


1./20.5. – 5.55 Uhr
14.5. – 6.00 Uhr
30 Jahre Klavierfestival La Roque d’Anthéron.
Abschlusskonzert 2010. Werke von Wagner, Satie, Herman und Ravel.

2.5. – 6.00 Uhr
8.5. – 6.45 Uhr
Rafal Blechacz
spielt Chopin. Hamburg 2009.

3./9./15.5. – 6.00 Uhr
Von Wien zum Broadway.
Weihnachtsgala im Pariser Cirque d’Hiver 2012. Orchestre National de France, Kinder- und Jugendchor...

Traum(a)krieg

Wie mit dem Numinosen umgehen, mit dem scheinbar nur von einem deus ex machina zu ­lösenden, mit Menschenkräften unentwirrbaren Schicksalsknoten? Warum diesen eigentlich nicht mehr kommunizierbaren Plot nicht als posttraumatische Fantasie eines lädierten Kriegsheimkehrers zeigen? Die Kunst besteht darin, das so unaufdringlich und mehrdeutig zu tun, dass die Größe...