Traum(a)krieg
Wie mit dem Numinosen umgehen, mit dem scheinbar nur von einem deus ex machina zu lösenden, mit Menschenkräften unentwirrbaren Schicksalsknoten? Warum diesen eigentlich nicht mehr kommunizierbaren Plot nicht als posttraumatische Fantasie eines lädierten Kriegsheimkehrers zeigen? Die Kunst besteht darin, das so unaufdringlich und mehrdeutig zu tun, dass die Größe einer Begegnung mit dem Fatum nicht zur traurigen Banalität eines medizinischen Falles schrumpft.
Der Bühnenerzähler Jan Philipp Gloger hat aus seinem überfrachteten, von Bildeinfällen gepeitschten Bayreuther «Holländer» gelernt. Drei Jahreszeiten später, beim Frankfurter «Idomeneo», wirkt seine Regie klar, konzentriert und dadurch ungleich stärker. Er hat Krieg als Hauptelement der Handlung herausgearbeitet, Mozarts motivisch und stilistisch heterogene Seria aus ihrem archaischen Rahmen gelöst und in eine technologisch aufgerüstete, militaristisch und manipulativ aktualisierte Gegenwart transferiert. Stumme Kämpfer durchschleichen die Aufführung, bedrängen die Protagonisten, lenken sie wie Marionetten.
Den lapidaren Habitus des Ganzen stiftet vor allem Franziska Bornkamms Bühnenbild: ein Raum, der auf eine kahle, helle ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Hans-Klaus Jungheinrich
Großer Bahnhof vor dem Bahnhof. Dem von einst, der heute ein Festspielhaus ist. Baden-Baden, der erste Abend der «neuen» Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker. Ein Anblick fast wie in der Salzburger Hofstallgasse, der das Orchester den Rücken kehrte. Eine Schwadron von Reisebussen aus ganz Baden-Württemberg und dem nahen Ausland. Hoch- und Erwartungsstimmung...
Tannhäuser ist genervt. Unruhig tigert er durch den Salon der Dame Venus. Weder sie noch die tanzenden (schein-) nackten Damen und Herren, die eben noch im Bilderrahmen hinten auf der Bühne der Straßburger Opéra national du Rhin in Starrheit verharrten, können ihn auf andere Gedanken bringen: Er will da weg. Der Raum, in dem er sich immer unwohler fühlt, ist nichts...
Herr Friedrich, in Deutschland gibt es vor allem zwei Komponisten, mit denen man als Chor-Dirigent bekannt werden kann: Bach und Wagner. Richtig?
Das hängt bei Wagner natürlich vor allem mit der exponierten Bedeutung von Bayreuth zusammen. Und damit, dass die Chöre bei Wagner und Bach eine echte Aussagefunktion haben. Man hat seinen Spaß daran.
War der Wagner-Akzent...
