Der Kuss der Königin
Großer Bahnhof vor dem Bahnhof. Dem von einst, der heute ein Festspielhaus ist. Baden-Baden, der erste Abend der «neuen» Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker. Ein Anblick fast wie in der Salzburger Hofstallgasse, der das Orchester den Rücken kehrte. Eine Schwadron von Reisebussen aus ganz Baden-Württemberg und dem nahen Ausland. Hoch- und Erwartungsstimmung allenthalben. Hielte man fest, ein Hauch von Großevent liege in der Luft – man untertriebe. Baden-Badens Intendant Andreas Mölich-Zebhauser ist ein Meister der Event-Ausrichter.
In der Gönner-, Förderer- und Sponsorenpflege rangiert er direkt hinter Alexander Pereira.
Sieht man, wie die betuchten Festspielunterstützer sich ein künstlerisches Luxusgelage bereiten, beginnt’s einem im Magen zu grimmen. «Mit links», denkt man beiseite – mit einem kleinen Teil der an der Oos eingesammelten Millionen könnten die Herrschaften ihrem am Existenzminimum herumkrebsenden tapferen Stadttheater daheim einen ordentlichen Schubs in Richtung Planungssicherheit verpassen – und das bei einer Programmierung, die dramaturgische und ästhetische Zusammenhänge oft weit eher anstrebt als die Baden-Badener Hochglanz-Zyklen, für die ein Weltstar dem ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Heinz W. Koch
In seiner Mannheimer «Götterdämmerung» schickt Achim Freyer Siegfried und Brünnhilde auf eine wilde theatrale Zeitreise, bei der Zukunft und Vergangenheit, Archaik des Mythos und Realität des Heute einander in Szene und Optik durchdringen. Wie stets agiert Freyer als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner sowie Lichtgestalter in Personalunion, und das gibt dem...
Die Wiedergeburt der Tragödie aus dem Geist des Rock ’n’ Roll? Vier Abende, sechs Stunden, 21 Figuren, Soundrequisiten vom Kieselstein bis zum Theremin – in seiner rotzig aufgerauten «Ring»-Hörspiel-Performance kümmert sich Stefan Kaminski um fast alles selbst. Nur die Glasharfe, Tuba, Bassgeige und Keyboards bedienen vier assistierende Musikant/inn/en. Im Dezember...
Herr Friedrich, in Deutschland gibt es vor allem zwei Komponisten, mit denen man als Chor-Dirigent bekannt werden kann: Bach und Wagner. Richtig?
Das hängt bei Wagner natürlich vor allem mit der exponierten Bedeutung von Bayreuth zusammen. Und damit, dass die Chöre bei Wagner und Bach eine echte Aussagefunktion haben. Man hat seinen Spaß daran.
War der Wagner-Akzent...
