Leichtes Spiel, todernst
In seiner Mannheimer «Götterdämmerung» schickt Achim Freyer Siegfried und Brünnhilde auf eine wilde theatrale Zeitreise, bei der Zukunft und Vergangenheit, Archaik des Mythos und Realität des Heute einander in Szene und Optik durchdringen. Wie stets agiert Freyer als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner sowie Lichtgestalter in Personalunion, und das gibt dem visionären Spektakel trotz aller Verspieltheit eine strenge Geschlossenheit.
Geblieben ist von den vorausgegangenen Teilen der leere, nach allen Seiten abgeschlossene Raum – jetzt allerdings von drei glitzernden Spiegelwänden umstellt, auf denen sich die Figuren und ihre szenischen Doubles unterm pausenlosen Einsatz der Lichtmaschinerie ins Virtuelle vervielfältigen. Geblieben ist auch das unablässig kreisende Rund der Drehbühne, das bei diesem Spiel vom Ende der Zeiten unerbittlich Regie führt und erst mit dem Tod aller Beteiligten zum Stillstand kommt. Zum Auftritt der unheilkündenden Nornen zitiert Freyer ein letztes Mal sein Versuchslaboratorium aus Linie, Dreieck, Kreis und Quadrat, während sich gleichzeitig das gesamte bisherige Götter-, Helden- und Zwergenpersonal als bedrohliche Familienaufstellung im Hintergrund ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Uwe Schweikert
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