Panoptikum
Peter Eötvös entschied sich in seiner Oper «Drei Schwestern» ganz bewusst für Künstlichkeit: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, die Figuren sprechen von sich in der dritten Person. Tschechows Drama ist auseinandergeschnitten und neu zusammengesetzt; statt der vier Akte gibt es drei große Sequenzen, die jeweils einer Hauptfigur gewidmet sind – Irina, dem Bruder Andrej und Mascha – und die gleichen Erlebnisse aus drei verschiedenen Perspektiven erzählen.
Der dritten unglücklichen Schwester Olga (mit schlankem Mezzo: Irène Friedli) hat der Komponist keine eigene Sequenz gewidmet.
Bei der Uraufführung 1998 in Lyon wurde die Künstlichkeit durch die Besetzung der Frauenrollen mit Countertenören noch verstärkt. In Zürich singen zwar Frauen die Partien der drei Schwestern – aber in ihren bunt geblümten Folklorekostümen, kunstvollen Frisuren und stark geschminkten Gesichtern sehen sie aus wie Puppen. Die drei Schwestern sind nicht nur im Provinznest, sondern auch in ihren schweren, hochgeschlossenen Kleidern (Kostüme: Victoria Behr) gefangen. Die Zeit bleibt stehen, wenn Ivana Rusko Irinas Erinnerungen mit klaren Linien zeichnet und die schwebenden Klänge von Akkordeon und ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Georg Rudiger
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