Operette und Originalklang
Wer historisch informierte Aufführungspraxis sagt, meint in der Regel nicht die Operette. Dass indes Werke des Unterhaltungstheaters des späten 19. und 20. Jahrhunderts durch Bearbeitungen nicht selten ihrem Originalklang schnell entwöhnt wurden, ist zwar keine neue Erkenntnis, interessiert aber in der Regel wenig. Das gilt nicht für Florian Ziemen. Der stellvertretende Gießener Generalmusikdirektor sucht nach den Wurzeln. Und sorgt damit für ganz unmittelbare Erfahrungen, wie im Falle seines Dirigats von Eduard Künnekes Vetter aus Dingsda am Badischen Staatstheater in Karlsruhe.
Die Quellensituation in der Unterhaltungskunst des frühen 20. Jahrhunderts ist alles andere als einfach, und so hat Ziemen im Künneke-Nachlass in Berlin recherchiert, nach originalem Notenmaterial gesucht, historische Aufnahmen gehört. Mit hörbarem Ergebnis: Der Sound, den die Badische Staatskapelle hervorzaubert, zeigt die Instrumentationskünste des Komponisten weit unverblümter und radikaler als in den verwässerten Aufnahmen der 1950er- und 1960er-Jahre überliefert. Mal klingt’s nach Jazz aus den Roaring Twenties, mal nach Film (in den Melodram-Passagen), mal nach sinnlicher Operette à la Lehár, dann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Alexander Dick
Faustina Bordoni, verheiratete Hasse (1697-1781) war die erste Primadonna der Operngeschichte, noch vor ihrer Kollegin und Rivalin Francesca Cuzzoni; im Charakter wohl angenehmer und weniger launenhaft als jene, die Händel wegen ihrer Kapricen einmal beinahe aus dem Fenster geschmissen hätte. Doch wie hat die Bordoni geklungen? Der Flötist Johann Joachim Quantz,...
Die Schweizerin konnte ihr Leben ganz der Schönheit weihen. Die Russin verbrachte die wichtigsten Dekaden ihrer Laufbahn unter den dunklen Wolken der Politik. Lisa della Casa ging 1943 nach dem Studium bei Margarethe Häuser und dem Debüt in Solothurn/Biel (1941) an die Zürcher Oper, dann betrat sie als Sophie und Zdenka die Hallen des Ruhms: die der Wiener...
Jetzt ist es also heraus, ein bisschen früher als erwartet, aber nicht unerwartet: Simon Rattle hört bei den Berliner Philharmonikern auf. Fünf Jahre macht er noch den Chef, dann ist Schluss. Wenn sich Rattle 2018 zurückzieht, ist er fast 64 und wieder ein freier Mann. 16 Jahre lang wird er dann bei den Berlinern den Ton angegeben haben (davor, bei «seinem» City of...
