Nicht zu viel versprochen
Gioachino Rossinis eigene Aussagen über seine «Ermione» wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Einmal bezeichnete er das 1819 für Neapel geschriebene Werk als seinen «kleinen italienischen Wilhelm Tell», dessen Zeit wohl erst nach seinem Tod kommen werde. Dann wiederum behauptete er gegenüber Ferdinand von Hiller, «Ermione» sei eine «sehr langweilige» Oper, in der alles «recitativisch und declamatorisch» abgehandelt werde. Rossini äußerte sich allerdings häufig selbstironisch.
Fazit: Der Komponist war sich durchaus bewusst, dass er mit diesem experimentellen Werk die Aufnahmebereitschaft seines Publikums überstrapaziert hatte.
Nun hat sich das Volkstheater Rostock als erste deutsche Bühne an eine Rehabilitierung der auf Racines Trauerspiel «Andromaque» zurückgehenden azione tragica gemacht. Mit dem Übertitel «Belcanto Fest», der über der Aufführungsserie prangt, hat man nicht zu viel versprochen. Auch wenn Rossini Chor und Szenen, deklamatorische Passagen und Arien stärker als für damalige Verhältnisse üblich verwebt, so fand er dazwischen doch reichlich Gelegenheiten für wahres Koloraturenfeuerwerk. In Rostock hat man spezialisiertes Personal gefunden. So legt Jasmin ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Carsten Niemann
JUBILARE
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