Kraftvolle Kulinarik
Ein Debüt kurz vor dem 80. Geburtstag, dann auch noch im erweiterten Kernrepertoire – doch, das gibt es, sogar bei Zubin Mehta. Giuseppe Verdis «Un ballo in maschera» hat er bislang nie im Rahmen einer szenischen Produktion dirigiert, bis jetzt, bis zur heftig bejubelten Heimkehr an sein früheres Haus. Und vielleicht muss man sich dabei auch nicht mehr, nach vielen stählenden Jahren im Business, um stilistische Überlegungen kümmern.
Beispielsweise darum, dass Verdi das Stück nicht nach «Otello» und «Falstaff» geschrieben hat, sondern in einer Übergangsperiode, die im Florett und Zierrat einer früheren Epoche wurzelt, mit deutlicher Energiezunahme jedoch auf Späteres verweist. Das Flatterhafte, Leichtfüßige, Satirische blendet Mehta an der Bayerischen Staatsoper vollkommen aus. Verdis Polystilistik wird geopfert zugunsten einer kraftvollen Kulinarik, bei der sich das Staatsorchester in den operettigen Momenten zum gemütlichen Umtata bequemen darf.
Umso stärker sticht das andere Debüt dieses Premierenabends heraus. Nach einigen Absagen und einer somit ungeplanten Pause fügt Anja Harteros ihrem Rollenbouquet die Amelia hinzu. Anfangs gibt es kleine Verspannungen, aber dann bewegt sie ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Markus Thiel
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