Nicht Zauberoper, nicht Historiendrama
Stephan Braunfels ist von Haus aus Architekt, aus Leidenschaft Opernfan und von daher in Ausnahmefällen auch als Bühnenbildner aktiv. Sein Standpunkt: Nikolaus Lehnhoff ist unter allen lebenden Regisseuren der am klarsten Strukturierte. Einer, bei dem alles auf den Punkt gebracht wird und jede Bewegung logisch ist. Einer, der nichts dem Zufall überlässt oder einer Mode hinterherläuft.
Lehnhoff wiederum gibt das Kompliment zurück: Ihn interessiere am «Lohengrin» weniger die romantische Zauberoper als vielmehr das moderne Psychodrama, und um das umsetzen zu können, brauche er nun mal eine gute Architektur. Die hat ihm Braunfels geliefert für eine Inszenierung, die im vergangenen Juni in Baden-Baden Premiere hatte und als Koproduktion auch an der Mailänder Scala und der Opéra in Lyon gezeigt wurde. Der Mitschnitt dieser Aufführung liegt nun, mitsamt eines 68-minütigen Dokumentationsfilmes von Reiner E. Moritz, auf drei DVDs vor. Dieser Film ist mehr als nur ein Anhängsel, er ist Information und Versinnlichung, Ergänzung und Kommentar zum Bühnengeschehen. Der Zuschauer erfährt beispielsweise von Bettina Walter, der Kostümbildnerin, dass Lohengrins silberner Anzug Zeichen einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es sei ein Zeichen von geistesgeschichtlichem Instinkt, dass Kritiker zur Eitelkeit neigen, befand Joachim Kaiser im einleitenden Essay zu seinem «Kleinen Theatertagebuch» (1965). Denn dadurch verrieten sie, dass sie alle Sicherheiten des Urteils vorspielen müssten. Dies scheint sich vor allem dann zu bestätigen, wenn in ein und derselben Sache die Meinungen...
Wenn die Unterwelt ihre Furien ausspuckt, die Erde zittert und der Himmel grollt, dann hat die Musik ihren großen Auftritt. Sie erledigt solche Ereignisse in wenigen Takten, meist sogar in wenigen Sekunden. Doch solche Sekunden haben es in sich. Da sackt plötzlich jede metrische Ordnung weg, und die Streichinstrumente donnern wuchtig, als wollten sie den Schlägen...
Gerard Mortier besitzt die schöne Gabe, treu sein zu können. Künstler, die er schätzt, dürfen seine Karriere begleiten. Die Herrmanns sind das beste Beispiel dafür: Mit ihrem «Titus» begann einst in der Mortier-Ära das Brüsseler Mozart-Wunder, das sich dann mit derselben Inszenierung in Salzburg fortsetzte und zuletzt auch noch in Paris Zeugnis alter...
