Von der Leichtigkeit des unerträglichen Seins
Wenn die Unterwelt ihre Furien ausspuckt, die Erde zittert und der Himmel grollt, dann hat die Musik ihren großen Auftritt. Sie erledigt solche Ereignisse in wenigen Takten, meist sogar in wenigen Sekunden. Doch solche Sekunden haben es in sich. Da sackt plötzlich jede metrische Ordnung weg, und die Streichinstrumente donnern wuchtig, als wollten sie den Schlägen der Pauke Konkurrenz machen. Ein andermal spielen die Geigen rasende Läufe, die auf Akkorde krachen wie ein Blitz auf den Horizont. Das Cembalo schraubt derweil die Harmonien in immer schrägere Regionen.
Während die Musik stürmt, stutzt und staunt man: Was für eine Kraft, was für ein Kalkül, was für ein Komponist!
Bekannt wurde der Mann als Genie der Gambe. Viele hundert Stücke hat er für dieses Instrument geschrieben, Spieltechniken und Saiten erweitert. Die Gambe war für ihn dasselbe wie das Klavier für Chopin: Es geht um die Intimissimi musikalischer Tagebücher genauso wie um schiere Virtuosität und manchmal auch ein bisschen um pädagogisches Weitertreiben überkommener Möglichkeiten. Marin Marais gehörte ab 1676 zu Lullys Orchester an der Pariser Opéra. Von Lully lernte er das Komponieren und das Dirigieren. Erst ...
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Eine Ausgrabung, die es in sich hat: Das Theater Hof präsentiert (als Koproduktion mit dem Vorpommerschen Theater Stralsund) die erst 1965 in Prag aufgefundene, 1995 in Bielefeld von John Dew uraufgeführte Oper «Der Sturz des Antichrist» von Viktor Ullmann. Der Komponist, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, bezeichnete das Werk, das er 1935 auf der Basis eines...
Da setzen zwei fränkische Theater fast zeitgleich Webers «Freischütz» auf den Spielplan, und beide Male fällt krankheitshalber der dafür engagierte Regisseur aus. Während in Würzburg als Einspringer Raik Knorscheidt mehr Zeit und zündende Einfälle hatte, um dem Konzept von Roland Velte (das dieser bereits 1994 in Halle realisiert hatte) den eigenen Stempel...
Es sei ein Zeichen von geistesgeschichtlichem Instinkt, dass Kritiker zur Eitelkeit neigen, befand Joachim Kaiser im einleitenden Essay zu seinem «Kleinen Theatertagebuch» (1965). Denn dadurch verrieten sie, dass sie alle Sicherheiten des Urteils vorspielen müssten. Dies scheint sich vor allem dann zu bestätigen, wenn in ein und derselben Sache die Meinungen...
