Neues Hörtheater
Von den großen politischen Utopien, die das 20. Jahrhundert bewegten (und zerrissen), will heute niemand mehr etwas wissen. Seit der Systemkonflikt zwischen staatlich verordnetem Sozialismus und einem demokratisch moderierten Kapitalismus entschieden ist und man mit der Apokalypse eher die drohende Klimakatastrophe als ein atomares Armageddon assoziiert, hat auch die ehedem viel beschworene Idee ausgedient, dass die Geschichte der menschlichen Zivilisation eine Geschichte des Fortschritts sei.
Dass sich der Mensch gleichsam gesetzmäßig vom «krummen Holz» (Kant) zum «aufrechten Gang» (Bloch) aufschwingen werde, die ferne Morgenröte gelingenden Lebens fest im Blick – diese Heilsbotschaft geht (fast) nur noch als schönes Märchen durch. Der Grundton des postideologischen Zeitalters ist ein anderer: skrupulöse Skepsis statt rotbackiger Hoffnung, haltlose Suche im offenen Feld statt selbstgewisser Erlösungsfantasien.
Den Abschied von den Verheißungen «linker» Befreiungstheorien, ja vom Glauben an die verändernde Macht kritischer Aufklärung haben wenige Komponisten so schmerzlich und so konsequent durchlebt wie Luigi Nono. Die mentale Wende von einem in der italienischen KP aktiven zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter...
1955 wurde im «Simplicissimus» eine berühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sowjets. Dazu Außenminister Figl als mephistophelischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in...
Manchmal schreibt das Leben die schönsten Pointen. Als Philip Glass von David Gockley den Auftrag bekam, eine Oper über das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs zu schreiben, ahnten beide wohl kaum, dass diese Chronik einer Kapitulation in einem War Memorial Opera House uraufgeführt werden würde. Der innovationsfreudige Gockley, der sich in seiner langen Zeit als...
