«Und jetzt noch die Reblaus»
1955 wurde im «Simplicissimus» eine berühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sowjets. Dazu Außenminister Figl als mephistophelischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in denen die Österreicher ihre russischen Verhandlungspartner schlicht unter den Tisch gesoffen haben sollen, kam es zum Staatsvertrag, der die Besatzung Österreichs durch die Siegermächte beendete.
Das damals demonstrierte Einvernehmen manifestiert sich bis heute nicht nur im monströsen Denkmal der Roten Armee auf dem Wiener Schwarzenbergplatz, sondern im Interesse russischer Oligarchen an der österreichischen Wirtschaft. Nicht zu vergessen Anna Netrebko, die sich vor Kurzem ja um die österreichische Staatsbürgerschaft bewarb. Auch ihr Entdecker Valery Gergiev findet sich häufig ein, am Pult der Wiener Philharmoniker oder mit seinem St. Petersburger Mariinsky-Ensemble. Diesmal trug er mit Letzterem im Theater an der Wien zu russisch-wienerischen Opernwochen bei.
Deren Höhepunkt war freilich die Premiere von Tschaikowskys ...
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