Logenplatz für die Kleinen
Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter Opern bis zu Uraufführungen, von Gesprächskonzerten bis zu Mitmachprojekten.
Hat die Sache unterhaltsame Qualität, lässt sich die Zielgruppe nicht lange bitten: Kaum ein Genre verzeichnet derzeit ähnliche Wachstumsraten wie die Kinderoper.
An der Oper Köln stand das junge Gemüse schon hoch im Kurs, als andernorts Leute unter zwanzig noch eher als Störfaktor galten: 1996 staunte das etablierte Publikum im Rangfoyer nicht schlecht über ein knallbuntes Holztheaterchen, in dem Stücke für Kinder und Jugendliche spielten. Den Anfang machte Strawinskys magische «Nachtigall», es folgte eine Ausgrabung: Bernhard Sekles’ Märchenoper «Die zehn Küsse». Weiter ging es mit Respighis «Dornröschen» und Ravels «Das Kind und der Zauberspuk». Der Laden brummte, sämtliche Vorstellungen (stets zu familienfreundlichen Zeiten) waren ...
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Manchmal schreibt das Leben die schönsten Pointen. Als Philip Glass von David Gockley den Auftrag bekam, eine Oper über das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs zu schreiben, ahnten beide wohl kaum, dass diese Chronik einer Kapitulation in einem War Memorial Opera House uraufgeführt werden würde. Der innovationsfreudige Gockley, der sich in seiner langen Zeit als...
Auf den Spielplänen unserer Schauspielhäuser tauchen sie kaum noch auf: Marius, Fanny und César, die in Frankreich unsterblichen Gestalten vom Alten Hafen in Marseille, denen Marcel Pagnol in seiner Trilogie ein wunderbar menschliches Denkmal setzte. «Zum Goldenen Anker» hieß das komplette Stück bei uns, und es wurde nach dem Krieg viel gespielt. Das Geheimnis...
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt...
