Mit Hand und Fuß
Ein Glöckchen ertönt, und wie von Zauberhand bewegt schieben sich neue Kulissenteile auf die Gassenbühne, während im Hintergrund ein anderer Prospekt abrollt: ein Verwandlungsakt, der etwas ganz Besonderes darstellt und sich im Ekhof-Theater auf Schloss Friedenstein noch einige Male wiederholen soll. Kein Wunder, besitzt das herzogliche Barocktheater doch eine einzigartige Bühnenmaschinerie aus dem 17. Jahrhundert, die nicht allein deshalb noch immer funktioniert, weil sie aufwendig restauriert worden ist, sondern ihre Existenz letztlich Josef Ritter von Gadolla verdankt, der am 4.
April 1943 die Stadt Gotha kampflos den Alliierten übergab und damit ihre Vernichtung verhinderte.
Auch im 20. Jahr des kleinen Festivals, das sich nach dem «Vater der deutschen Schauspielkunst» benennt, sorgen zehn Kulissenschieber für Abwechslung, lassen die Ballettkomödie «Le bourgeois Gentilhomme» auch äußerlich so erscheinen, wie sich Molière und Jean-Baptiste Lully das 1670 wohl vorgestellt haben: mit dem fünfköpfigen Barockorchester «Les musiciens fidèles» im Orchestergraben, das unter Leitung von Torsten Mann nicht zuletzt den Tänzern auf die Sprünge hilft. Denn getanzt wird zwischendurch ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Hartmut Regitz
Ronald Harwoods «Quartetto», benannt nach Verdis «Rigoletto»-Quartett aus dem dritten Akt («Un dì, se ben rammentomi»), wurde bereits 1999 in London uraufgeführt. Doch erst die Verfilmung durch Dustin Hoffman (2012 mit Maggie Smith) ließ auch deutsche Sprechbühnen zugreifen und den Mut fassen, die Casa Verdi-Variante aufs Programm zu setzen. Es geht um vier alte...
Die Gefühle stauen sich nachttief in diesem Kabinett manischer Depressionen. Mag die Musik noch so hellsichtig von geheimem Begehren erzählen, mag sie das entfremdende Spiel um Liebe, Geld und gesellschaftliche Anerkennung noch so klar aufdecken, für den tragischen Helden, der sich hier am Klavier, im Fauteuil oder auf dem Ball das wahre Leben herbeisehnt, kommt...
Anno 1899 stand Jules Massenet im Zenit seines Ruhms – und seiner handwerklichen Meisterschaft. Er hatte «Werther» in Wien herausgebracht und war mit «La Navarraise», einem Auftragswerk für London, auf der Verismus-Welle mitgeschwommen. Mit der Vertonung von Alphonse Daudets Roman über die Pariser Edelkurtisane «Sapho» wagte er sich an ein bewusst zeitgenössisches...
