Mit Blick zurück nach vorn

Iestyn Davies vereint die britische Counter-Tradition mit moderner Klangästhetik

Opernwelt - Logo

Die Londoner Wigmore Hall, Lieblingskonzertsaal vieler Liedsänger und Kammermusikensembles, lädt regelmäßig herausragende Künstler zur Gestaltung einer eigenen Konzertreihe ein. In der Saison 2012/13 war Iestyn Davies «countertenor in residence». Die Mitschnitte von zwei seiner drei Konzerte sind beim hauseigenen Label der Wigmore Hall erschienen und zeigen zwei verschiedene Facetten des jungen Sängers, der erst über Umwege zum solistischen Gesang gefunden hat und mittlerweile zu den bekanntesten britischen Vertretern seines Stimmtyps gehört.



Wie Davies in einem Interview verrät, war es eine CD von Andreas Scholl, die den entscheidenden Impuls gegeben habe, selbst eine Karriere als falsettierender Sänger an­zustreben. Scholl gehörte zu jenen männlichen Altisten, die noch vor der Jahrtausendwende der jahrzehntelang vorherrschenden Klangästhetik der britischen Countertenöre ein anderes Ideal gegenüberstellten: runder, weicher, sinnlicher, «weiblicher», als man es bis dahin gewohnt war. Diese Attribute passen durchaus auch auf die Stimme von Iestyn ­Davies, der aber dennoch unverkennbar in einer englischen Countertenor-Tradition steht – nicht zufällig verstand er seinen Zyklus in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Das gibt's doch gar nicht

Der Komponist Gerhard Stäbler (Jahrgang 1949) gehört zu den Künstlern, die auf Messers Schneide operieren. Die gleichermaßen der angeblich reinen Autonomie des Ästhetischen (zumal der ­Systemgläubigkeit der Darmstädter Serialismus-Schule, die so monolithisch-dominant freilich gar nicht war) wie der Traditionsgattung Oper misstrauen, aber auch dem postmodernen...

Infos

Jubilare

Er gehört zu den wenigen französischen Künstlern, die sowohl in ihrer Heimat als auch im Ausland die höchsten Ehrungen erhalten haben. Geboren wurde Georges Prêtre 1924 im nordfranzösischen Douai, wo er zunächst Klavier und Trompete studierte, bevor er bei André Cluytens am Pariser Konservatorium zum Dirigenten ausgebildet wurde. Als 22-Jähriger debütierte...

Trau, hör, wem?

Die «Pantoffel-Oper» sei Verrat am Musiktheater, räsonierte ein Purist kürzlich in freundschaftlicher Runde. Aus ästhetischen Gründen. Zu wenig vertrauenswürdig die Mikrofone, zu nahe die Kamera. Und ein Feind der Fantasie, die sich beim Hören von CDs eine eigene Bühne baue. Freilich erkennt man dank Großaufnahmen manchmal auch Details, die aus der Parkett- oder...