Trau, hör, wem?
Die «Pantoffel-Oper» sei Verrat am Musiktheater, räsonierte ein Purist kürzlich in freundschaftlicher Runde. Aus ästhetischen Gründen. Zu wenig vertrauenswürdig die Mikrofone, zu nahe die Kamera. Und ein Feind der Fantasie, die sich beim Hören von CDs eine eigene Bühne baue. Freilich erkennt man dank Großaufnahmen manchmal auch Details, die aus der Parkett- oder Rang-Perspektive vielleicht untergehen.
Wie hat man Peter Stein angegriffen für seine allzu konventionelle Inszenierung von Verdis «Don Carlos» bei den Salzburger Festspielen! Im Close-up offenbaren sich nun Details, die die Handlung logischer und plausibler erscheinen lassen; insgesamt ist freilich der Eindruck eines Besuchs im Wachsfigurenkabinett der Geschichte nicht ganz zu vermeiden.
Musikalisch erscheint indes hier manches gelungener, als man es live in Erinnerung hat. Die Wiener Philharmoniker wirken weniger laut. Alles scheint schmiegsamer und differenzierter – ganz im Sinne Antonio Pappanos – als selbst in der TV-Übertragung, wobei diese DVD auf den Aufzeichnungen des ORF beruht. Ergebnis sorgfältiger Nachbearbeitung? Oder doch Resultat unterschiedlicher Tages-Dispositionen des Hörers? Schienen Anja Harteros und ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché
Als Nicolas Joël für die Saison 2009/10 an die Spitze der Opéra National de Paris berufen wurde, waren die Lager gespalten. Die einen ersehnten Erlösung vom waghalsigen Modernisierungseifer der Ära Mortier (2004-2009), die anderen befürchteten einen Rückschritt in die inszenatorische Steinzeit. Auch wenn weder Erlösung noch Steinzeit eintraten, zeitigt die nun...
Ein großer Tag für Bühnenbildner Christian Schmidt. So raffiniert waren die beiden Drehbühnen mit der seit dem Theaterbrand modernisierten Technik noch nie gehandhabt worden. Das innere und das äußere Segment waren dermaßen minuziös ineinander verzahnt, dass, mit dem Eindruck gegenläufiger Bewegungen, filmisch fließende Bilder entstanden. Inszenierte...
Es war angerichtet: Herz, Hirn auf dem Teller, Messer und Gabel daneben. So präsentierten sich die Wiener Festwochen 2014 in Olaf Ostens grafischem Konzept als corporate identity. Herz und Hirn, Emotion und Verstand – das mag auf den ersten Blick banal wirken, doch brachte der neue Festwochenintendant Markus Hinterhäuser die beiden Grundstoffe menschlichen Wesens...
