Modisch, verdinglicht, entzaubert
Ein großer Tag für Bühnenbildner Christian Schmidt. So raffiniert waren die beiden Drehbühnen mit der seit dem Theaterbrand modernisierten Technik noch nie gehandhabt worden. Das innere und das äußere Segment waren dermaßen minuziös ineinander verzahnt, dass, mit dem Eindruck gegenläufiger Bewegungen, filmisch fließende Bilder entstanden. Inszenierte «Kamerablicke» also auf viel klinisches Weiß, wenig Realismus und – im suggerierten Interieur-Charakter – noch weniger Natur.
Zwar das angedeutete Innere einer durch bäuerlichen Zwist derangierten Häuslichkeit, aber komplementär dessen zwillingshaftes Abbild als strahlender Imaginationsraum. Dazwischen ein enges, hohes (und geradezu provokativ unschweizerisches) Treppenhaus; ausgerechnet in diesem vollzog sich der Hochzeitszug der Traumszene, das geniale Herzstück der Oper, dem hier die in der Musik so unverkennbare Dimension des Trauermarsches fast fehlte. Die atemberaubende Kunstfertigkeit der Bilder traf sich kaum mit der besonderen Aura des Stücks, dessen «pantheistische» Grundstimmung der zuständige Dramaturg Norbert Abels in einem Programmheftessay so eindringlich beschwört.
Auf anders «philosophische» Weise erzählte die ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Hans-Klaus Jungheinrich
Das nennt man antizyklisches Verhalten: Vier Tage vor Christoph Willibald Glucks 300. Geburtstag setzt die Niedersächsische Staatsoper das Werk eines anderen Jubilars auf den Premierenspielplan: Nicht Richard Strauss (der braucht als Rechtfertigung kein Jubiläum, es sei denn man wählt leichtfertig «Guntram», die «Feuersnot» oder den «Friedenstag»), sondern...
Es war angerichtet: Herz, Hirn auf dem Teller, Messer und Gabel daneben. So präsentierten sich die Wiener Festwochen 2014 in Olaf Ostens grafischem Konzept als corporate identity. Herz und Hirn, Emotion und Verstand – das mag auf den ersten Blick banal wirken, doch brachte der neue Festwochenintendant Markus Hinterhäuser die beiden Grundstoffe menschlichen Wesens...
Er brauchte einer nur ins Auge zu schau’n, und schon war er hin. Ein Pan, dieser Leos Janácek, ein homme à femmes, wenngleich seine Altersbeziehung zur jungen Kamila Stösslová vor allem den Briefträger beschäftigte. Auch bei Liska Bystrouska, der gewitzten Füchsin, war Kamila das Vorbild, und im beständigen Denken an sie zeichnete der Komponist musikalisch ein...
