Melancholischer Pierrot in böser (Theater!-)Welt

Paris, Opéra National, Prokofjew: L’Amour des trois Oranges

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Das Theater besitzt, besser: besaß manchmal auch eine prophetische Kraft, ein feines Sensorium für kommende Ereignisse. Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» darf insofern nicht nur als unterhaltsame Heiterkeit gesehen werden. Wenn der König, nachdem sein Sohn, der schwermütige Prinz, sich gegen ihn gestellt und ihn verlassen hat, einen Schuldigen sucht und diesen schließlich bei den Theatermenschen ausmacht, so spiegelt diese bösartige Szene parabelhaft ein Stück sow­jetisch-russischer Realität.

Prokofjews Opernlibretto, von ihm selbst verfasst, basiert auf Meyerholds Goz­zi-Adaption. Im recht vertrottelt wirkenden König Trèfle verbirgt sich auch ein tyrannischer Herrscher, der es geschickt versteht, schnell für alles Missgeschick einen Schuldigen auszumachen. Für König Trèfle ist es das Theater, für Stalin war es die Intelligenz, zu der auch Meyerhold zählte. Bekanntlich wurde dieser auf Befehl Stalins später erschossen. «L’Amour des trois Oranges» ist ein elegant-grimmiges Bestiarium, in dem die Gattung Mensch auftritt, ganz realistisch, wenn auch auf der zweiten Ebene: Denn auf der ersten werden schließlich Realismus und Psychologie energisch in den Theaterfundus verbannt. Die ...

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Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Rohde

Vergriffen
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