Melancholischer Pierrot in böser (Theater!-)Welt
Das Theater besitzt, besser: besaß manchmal auch eine prophetische Kraft, ein feines Sensorium für kommende Ereignisse. Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» darf insofern nicht nur als unterhaltsame Heiterkeit gesehen werden. Wenn der König, nachdem sein Sohn, der schwermütige Prinz, sich gegen ihn gestellt und ihn verlassen hat, einen Schuldigen sucht und diesen schließlich bei den Theatermenschen ausmacht, so spiegelt diese bösartige Szene parabelhaft ein Stück sowjetisch-russischer Realität.
Prokofjews Opernlibretto, von ihm selbst verfasst, basiert auf Meyerholds Gozzi-Adaption. Im recht vertrottelt wirkenden König Trèfle verbirgt sich auch ein tyrannischer Herrscher, der es geschickt versteht, schnell für alles Missgeschick einen Schuldigen auszumachen. Für König Trèfle ist es das Theater, für Stalin war es die Intelligenz, zu der auch Meyerhold zählte. Bekanntlich wurde dieser auf Befehl Stalins später erschossen. «L’Amour des trois Oranges» ist ein elegant-grimmiges Bestiarium, in dem die Gattung Mensch auftritt, ganz realistisch, wenn auch auf der zweiten Ebene: Denn auf der ersten werden schließlich Realismus und Psychologie energisch in den Theaterfundus verbannt. Die ...
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Herr Stein, Sie haben vor zehn Jahren in Amsterdam «Moses und Aron» von Arnold Schönberg inszeniert. Nun sind Sie für eine neue Produktion von Hans Werner Henzes «The Bassarids» an De Nederlandse Opera zurückgekehrt. Beide Werke verhandeln fundamentale philosophische Gegensätze. Haben Sie eine Vorliebe für solche Konfrontationen?
Theater handelt immer von...
Nach der Premiere hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender auf die Frage, ob man denn in Wien konservativer sei als anderswo, einen schönen Satz mit Nestroy-Qualität geprägt: «Die Wiener sind durchaus fürs Neue. Nur ändern darf sich nix.» Da aber nun Regisseur Barrie Kosky einiges an den gewohnten Topoi in «Lohengrin» zu ändern suchte, schien die Wiener Opernseele...
Dvoráks zeitgleich mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» entstandene vorletzte Oper «Rusalka» ist wie die Opern der beiden jüngeren Komponisten ein Kind des musikalischen Fin de Siècle. Heinz Lukas-Kindermann verstärkt diese alptraumhaft verstörenden Züge in seiner Münsteraner Inszenierung und gibt dem Wunschtraum der von der schnöden...
