Traum vom Messias

Wien, Staatsoper, Wagner: Lohengrin

Opernwelt - Logo

Nach der Premiere hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender auf die Frage, ob man denn in Wien konservativer sei als anderswo, einen schönen Satz mit Nestroy-Qualität geprägt: «Die Wiener sind durchaus fürs Neue. Nur ändern darf sich nix.» Da aber nun Regisseur Barrie ­Kosky einiges an den gewohnten Topoi in «Lohengrin» zu ändern suchte, schien die Wiener Opernseele gekränkt, was sich beim Auftritt des Regieteams zum Schluss­vorhang in einem elefantösen Buhkonzert äußerte.


Kosky interessierte sich nicht für die historischen und politischen Bezüge des Werks wie etwa Katharina Wagner in Budapest bei ihrem durch die deutschen Lande reisenden «Treuhand»-Lohengrin mit dem Schwanen­emblem auf dem Aktenkoffer. Sondern er spielte dem Publikum eigentlich in die Tasche, indem er ein Märchen erzählte – freilich ein heutiges. Einen «kollektiven Traum über die Notwendigkeit eines Messias» (Kosky) wollte er schildern, auch den Traum – und das Trauma – Elsas, die im Schock über den Verlust ihres Bruders Gottfried das Augenlicht verlor. Die Vorboten von Jung und Freud, die Kosky im «Lohengrin» erkennt, spiegeln sich in den Figuren von Ortrud und Telramund, die quasi als Jung’sche «Schatten» von Elsa ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Abenteuer moderne Musik

Ein Kommunikationsgenie wie den britischen Dirigenten Simon Rattle hat es in der klassischen Musikhemisphäre wohl seit den Tagen Lenny Bernsteins nicht mehr gegeben. Dass Rattle (nicht erst als Nachfolger Claudio Abbados am Chefpult der Berliner Philharmoniker) zu den Top Ten der stabführenden Zunft aufschoss, ist nicht nur auf sein stets frisch wirkendes...

Mozart: Così fan tutte

So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rhein­oper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in...

Schöne, leere Welt

Vor gut dreizehn Jahren bot sie in der Pariser Opéra Bastille zum ersten Mal dem Publikum ihre bleich geschminkte Stirn: Robert Wilsons aufwändig-minimalistische und hoch­gradig stilisierte «Madama Butterfly». Eine Produktion, um die sich bald Häuser rund um den Globus reißen sollten. Bis dato wurde die Inszenierung des texanischen Bildtheatermagiers unter anderem...