Dvorák: Rusalka

Münster

Opernwelt - Logo

Dvoráks zeitgleich mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» entstandene vorletzte Oper «Rusalka» ist wie die Opern der beiden jüngeren Komponisten ein Kind des musikalischen Fin de Siècle. Heinz Lukas-Kindermann verstärkt diese alptraumhaft verstörenden Züge in seiner Münsteraner Inszenierung und gibt dem Wunschtraum der von der schnöden Menschenwelt betrogenen Nixe eine entschieden psychoanalytisch unterfütterte Richtung.

Er zeigt uns die in einer überdimensionierten Puppenstube den Märchenprinzen ersehnende Seejungfrau zu Beginn als bein­­amputiertes, an den Rollstuhl gefesseltes Zwitterwesen. Die erhoffte Wunsch­erfüllung nach einem anderen Leben an der Seite des Geliebten erweist sich als Katastrophe: Nur um den Preis einer erneuten Verstümmelung – dem Verlust der Sprache – kann Rusalka Menschengestalt annehmen, ist damit aber zugleich wieder aus der Menschenwelt ausgeschlossen. Ihre Emanzipation führt zur bitteren Erkenntnis, dass auf Prinzen und Träume kein Verlass ist. Wie Ibsens Nora verlässt sie am Ende, nach dem Todeskuss für den Prinzen, ihr Puppenheim auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft.
Leider vermag Lukas-Kindermanns arg konventionelle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schöne, leere Welt

Vor gut dreizehn Jahren bot sie in der Pariser Opéra Bastille zum ersten Mal dem Publikum ihre bleich geschminkte Stirn: Robert Wilsons aufwändig-minimalistische und hoch­gradig stilisierte «Madama Butterfly». Eine Produktion, um die sich bald Häuser rund um den Globus reißen sollten. Bis dato wurde die Inszenierung des texanischen Bildtheatermagiers unter anderem...

Wozzecks Bruder?

Sein Glück bei den Frauen ist für Clyde Griffiths der Ruin. Roberta Alden, von ihm geschwängerte Unschuld vom Lande, zwingt ihm ein Eheversprechen ab. Derweil verliebt sich die Industriellentochter Sondra Finchley in ihn. Wem kämen da nicht Mordgedanken? Auf einsamem Waldsee rudernd, bringt Clyde es dann aber doch nicht fertig, seine Braut planmäßig in Ohnmacht zu...

Massenet: Werther

In Frankfurt war jetzt die seinerzeit etwas unausgeglichen wirkende Amsterdamer Aufführung von Massenets «Wer­­ther» zu besichtigen. Willy Deckers In­szenierung in den Bühnenbildern Wolfgang Gussmanns wirkt dank ­einer sen­siblen, einfühlsamen Personenregie (Willy Deckers Assistent Johannes Erath), eher lebendiger, konturierter und plastischer in den...