Machtkampf nach Noten
«Matilde di Shabran» (1821) gehört zu den unbekannteren Rossini-Opern, die jedes Publikum in Wonnetaumel versetzen, wenn man sie besetzen kann. Da ist keine Nummer, die nicht zündet. Die Fantasie, mit der Rossini seine bekannten Schemata immer wieder neu ausleuchtet und zum «Sprechen» bringt, beschert Vergnügen. Und manchmal schießt seine Inspiration in ungeahnte Stratosphären. Der Soldatenchor im ersten Finale nimmt Offenbach nicht vorweg, sondern ist reiner Offenbach avant la lettre. Auch das Libretto, das Rossini musikalisch weiterdichtet, ist klug und witzig zugleich.
Ein reiches Spektrum vitaler Typen und pointierter Konflikte verleiht dem Zentralmotiv des Geschlechterkampfes Relief, Buntheit und Fülle. Der Widerspenstige Corrado und seine Zähmerin Matilde schleudern sich dichte Salven winzigster Ziernoten ins Gesicht. Wie spitze Pfeile pieksen sie ins Selbstbewusstsein. Mit einer Mischung aus immer denselben sequenzierten Rouladen, übertrumpfenden Imitationen und neuen Wendungen singen sich alle gegenseitig an die Wand: die Geburt der Koloratur aus der italienischen Suada. Krach in Chiozza. Machtkampf musikalisch.
Der kleine Ritter Konrad Eisenherz (Corradino cuor di ferro) ...
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