Auf Grund
Vor zwanzig Jahren – so die in Bremen lebende koreanische Komponistin Younghi Pagh-Paan – habe sie den Auftrag noch abgelehnt, eine Oper zu schreiben: «Jetzt konnte ich eine Oper schreiben – jetzt weiß ich, was Gesang ist.» Gerade am Gesang aber lief ihre Kammeroper «Mondschatten» auf Grund.
Pagh-Paan hatte sich von der Stuttgarter Dramaturgin Juliane Votteler ein Libretto nach Sophokles’ «Ödipus auf Kolonos» (unter Einbeziehung eines Textes von Byung-Chul Han) kompilieren lassen, das das antike Drama von der Verstoßung und vom Tod des schuldlos schuldig gewordenen thebanischen Königs auf seinen Kern – den Abschied des Ödipus von dieser Welt und seine Aufnahme unter die Götter – reduziert, zugleich aber hintergründig verrätselt. Pagh-Paans gleichsam statisch um sich selbst kreisende Musik für sechzehn Instrumentalisten – darunter immer wieder prominent hervortretend ein Akkordeon sowie zwei Perkussionsinstrumente – ist von hohem klangfarblichem Reiz, lässt sich allerdings kaum je konkret auf die wechselnden Figurenkonstellationen ein und verbindet sich schon gar nicht mit dem auffallend konventionellen Gesang, wie man ihn in vielen Musiktheaterpartituren der 1960er- und ...
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