Liebeserklärungen
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius Milhaud, Kurt Weill und andere schätzten die motorische Vitalität, die improvisatorische Freiheit der neuen Musik aus der Neuen Welt.
Umgekehrt experimentierten Jazzmusiker mit komplexen Formen, die eher an die strenge Verdichtung des «klassischen» Orchestersatzes als an lockere changes aus der Jazzharmonik denken lassen – etwa der Bandleader Duke Ellington oder der Third Stream-Erfinder Gunther Schuller. Doch die Amalgamierungsversuche verliefen oft im Sande, blieben eher swingendes Missverständnis oder symphonisch aufgeplusterte Behauptung als originelle Bereicherung des jeweiligen Ausdrucksvokabulars. Erst Ende des 20. Jahrhunderts sollte sich das ändern: Seit nicht nur Güter und Ideen, sondern auch musikalische Idiome jedweder Provenienz im Turbotempo um den Erdball zirkulieren, sind die Genregrenzen durchlässiger, die ...
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Ein Volltreffer («La Juive»), eine szenisch aufrüttelnde Produktion («Der fliegende Holländer») und zwei musikalisch halbwegs gelungene Abende («Les Troyens», «Idomeneo») bilden die nicht gerade üppige Bilanz der diesjährigen Stuttgarter Saison, die zum Spielzeitende mit Rossinis französischer Buffa «Le Comte Ory» den Tiefpunkt dessen erreichte, was man an diesem...
Einer der unumstößlichen Regiegrundsätze lautet: Wer sich bei Kollegen freimütig bedient, sollte sich nicht erwischen lassen – und wenn doch, dann wenigstens dazu stehen. Beides ging bei der diesjährigen Eröffnung der Wiesbadener Maifestspiele daneben, die einerseits zum großen Erfolg für GMD Marc Piollet und sein Orchester wurde, andererseits aber ein...
Es ist noch nicht lange her, da galt das Heimatland einer Montserrat Caballé, eines Alfredo Kraus und José Carreras vor allem als Belcanto-Hochburg. Wie unzutreffend dieses Klischee und wie sehr Spaniens Opernszene inzwischen in Bewegung ist, beweisen nicht zuletzt die führenden Häuser in Madrid, Barcelona und Valencia. Mit ihren jüngsten Premieren spannen sie...
