Billigware
Ein Volltreffer («La Juive»), eine szenisch aufrüttelnde Produktion («Der fliegende Holländer») und zwei musikalisch halbwegs gelungene Abende («Les Troyens», «Idomeneo») bilden die nicht gerade üppige Bilanz der diesjährigen Stuttgarter Saison, die zum Spielzeitende mit Rossinis französischer Buffa «Le Comte Ory» den Tiefpunkt dessen erreichte, was man an diesem Haus seit Langem gesehen und gehört hat.
Die musikalisch geistsprühende Farce vom Grafen Ory, der, um erotisch zum ersehnten Ziel bei der Gräfin Adèle zu gelangen, sich erst der Maskerade eines Eremiten und dann einer Nonne bedient, strandet in Igor Bauersimas Inszenierung bei der Klamotte. Außer einem glitzernden Bühnendesign – im ersten Akt ein Rummelplatz mit sich drehender Spiegelbox, im zweiten ein Wellness-Studio samt Swimmingpool – ist dem hier in der Oper debütierenden Schweizer Multitalent nichts eingefallen. Statt die Figuren zu verlebendigen, also Regie zu führen, setzt er auf billigste Gags, schiebt den Chor hilflos herum, lässt die Handlung von einer Nummer in die nächste plumpsen und konzentriert sein ganzes Bemühen auf läppische Videospielchen rund um den Bühnenrahmen und das virtuelle ...
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Im Rückblick könnte man die neue Leipziger «Manon Lescaut» als symphonisches Vorspiel zum vorläufigen Finale der Querelen um die Zukunft der Oper am Augustusplatz lesen. Schon vor der Premiere Anfang Mai hatte es vernehmlich geknirscht im Gebälk des äußerlich fein herausgeputzten Hauses: Riccardo Chailly, seit drei Jahren Generalmusikdirektor und...
Herr Jenis, die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.
Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich...
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
